Der Miesing im Mangfallgebirge ist der weniger bekannte Nachbar der Rotwand. Korrekt lautet sein Name zwar Hochmiesing, jedoch wird auf das „Hoch“ oft verzichtet. Er gehört zu den vergleichsweise seltener bestiegenen Bergen in den Tegernseer Alpen. Mit 1883 Metern misst der Miesing nur einen Meter weniger als die Rotwand, die dafür von Wanderern gut besucht ist. Der Ausblick von seinem Gipfel ist aber nicht minder spektakulär.
1566 ist der Berg in den Landtafeln von Philipp Apian als „Myesing“ verzeichnet, 1663 wird er schon „Miesing“ genannt. Die alten Formen des Namens reichen also bis ins 16. Jahrhundert zurück. „Das ist nicht immer so, dass Bergnamen so alt sind“, sagt der Münchner Namenforscher Wolf-Armin von Reitzenstein. Der Miesing ist einer der wenigen Berge, dessen Name auf „-ing“ endet, wie er betont. Diese Endung hat immer eine bestimmte Funktion – sie drückt eine Art Personifizierung aus.
Der Name hat aber nichts mit dem Wort „mies“ zu tun, wie man vielleicht denken könnte, sondern rührt vom Mittelhochdeutschen „mies“, „miesch“ für „Moos“. Miesing bedeutet somit „der Moosige“. Zu Recht, denn sein Gipfel, ein Plateau, ist dicht bewachsen. Auch der Name des Kreisortes Miesbach geht auf dasselbe Wort, zunächst aber in einer älteren Form, zurück. Der Ortsname sei 1114 als „Muospach“, 1140 bis 1152 als „Muesbach“, 1320 als „Miespach“ und 1557 als „Miesbach“ bezeugt, sagt Wolf-Armin von Reitzenstein. Das bedeute „Bach, der durch mit Moos bewachsenes Gelände fließt“.
Insgesamt gibt es in der Gegend drei Miesing-Gipfel. Der Dürrmiesing, direkt neben dem Miesing, lädt nicht zu einer Wanderung ein, da kein richtiger Weg hinaufführt. Den Kleinmiesing kann man zwar problemlos erklimmen, jedoch ist die Tour sehr kurz. ELENA ROYER