SO SCHAUT’S AUS!

Liebe Singles, a bisserl was geht immer

von Redaktion

VON MANFRED SCHAUER, DEM SCHICHTL VON DER WIESN

München, die Hauptstadt von Bayern, BMW, der Schönen und Reichen, den Radlern, von mir und vor allem: der Singles. Die letzte Definition scheint lapidar, macht aber über 50 Prozent aller Haushalte der Stadt aus. Spontan kommt einem der Gedanke: was für eine Wohnraumverschwendung. Damit mein ich, wenn zum Beispiel ein Mensch 60 Quadratmeter bewohnt, dann könnten für zwei in einer Wohnung locker 90 Quadratmeter reichen. Theoretisch.

Ich verlier mich jetzt nicht in Wohnraumspekulationen, das ist in München eh ein spezielles Reiz- und Dauerthema. Natürlich sind die Jungen, nachdem sie die elterlichen Gefilde verlassen haben, ganz scharf auf die erste eigene Bude, Wohnung oder darauf, in einer WG zu sein. Wobei eine WG meines Erachtens die optimale Ausbeutung von Wohnraum ist. Die Leute sind außerdem so was von gar nicht allein, das ist auch gut. Es gibt schon Menschen, die nicht bindungsfähig oder sozial kompatibel sind. Auch Paare können gemeinsam einsam sein, im ärgsten Fall sogar nebeneinander.

Andererseits wundert man sich schon, welche Paarungen so rumlaufen. Ich schwadronier da gedanklich mal so durchs hiesige Leben und überleg, warum so viele Leute solo sind und ich glaub, die wenigsten sind es gerne. Man kann das schon wollen, aber der Weg zur Einsamkeit ist verdammt kurz und dann tut’s weh. Das gibt es auch bei Leuten, von denen man es kaum annehmen würde.

Eine ganze Branche hat sich das Thema zum Geschäftsmodell gemacht, indem sie durch gewisse Wisch- und Tipp-Techniken Menschen einander näherbringen, beziehungsweise in erster Linie Geld mit den sozialen Unikaten verdienen möchte. Und der Zulauf scheint groß zu sein – sowie auch eine gewisse Anfangsscham verflogen ist, darüber zu reden. Die Kontaktbeschränkungen haben das Ihrige dazu getan. Die Arbeitsbedingungen haben sich verschoben, etliche Freunde und Bekannte wollen aus ihrem erzwungenen Privat-Büro wieder zurück ins richtige und unter Menschen sein, da nimmt man den Blödmann vom Schreibtisch nebenan lieber in Kauf als gar keinen daneben.

Schwieriger ist es im privaten Bereich, vor allem für alleinstehende Frauen, unter Leute zu gehen, um Leute kennenzulernen. Bei vielen Männern, ob solo oder nicht, ist der präpotente Gockel das treibende Element, nicht selten vertont mit dem armseligen Spruch: „Darf ich Sie auf ein Glas Champagner einladen?“ Wenn’s denn der Dame arg langweilig, sie frisch geschieden oder eh schon alles egal ist, dann halt Prost.

Falls sich hier dann zwei paarungswillige Exemplare getroffen haben, gibt es nicht die Sicherheit, von nun an nicht mehr alleine zu sein, vor allem wenn es vorher nur einer der beiden war. Und aufpassen, Mädels! Männer mutieren zu Supertypen, wenn ihnen erst mal Testosteron das Hirn entmachtet hat. Auf organisierten Single-Partys gibt’s immer eine Menge Leute, allerdings laut nicht nur einem Veranstalter sind oft Männer dabei, die nicht Singles, aber Galane im Dienst sind.

Was also tun, um nicht zum sozialen Restposten zu werden? Die Klassiker unter den Kontaktbörsen wie Wiesn, Wald- und Volksfeste gibt’s gerade nicht und der Sommer macht sich auf den Weg Richtung Herbst. Und alleine in den Advent oder zur Silvesterparty? Bloß nicht! Also, auf in die Biergärten und flirten, was das Zeug hält. Weil – a bisserl was geht immer.

Habe die Ehre, Manfred Schauer

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