Weniger Zahnvorsorge wegen Corona

von Redaktion

VON KATRIN WOITSCH

München – Im Frühjahr 2020 gab es Tage, an denen Manuela Bauer-Sturm kaum Patienten in ihrem Wartezimmer sitzen hatte. „Die Unsicherheit war riesengroß, als die Pandemie losging“, berichtet die Zahnärztin aus Holzkirchen (Kreis Miesbach). Erst seit ein paar Wochen spürt sie, dass wieder mehr ihrer Patienten zur Vorsorge kommen. Von einem normalen Zahnarzt-Alltag will sie aber noch nicht sprechen. „Wir tragen, obwohl wir geimpft sind, alle FFP2-Masken bei der Behandlung“, erzählt sie. Auch zum eigenen Schutz. Für Mitarbeiter, denen das nicht genügt, gebe es auch Visiere. So gut waren die Schutzmöglichkeiten zu Pandemie-Beginn natürlich nicht, sagt Bauer-Sturm. „Damals waren nicht mal FFP2-Masken zu kriegen.“ Die Angst vor einer Infektion war groß – auf beiden Seiten.

Das berichtet auch Zahnarzt Steffen Weimann aus Waldtrudering. Die Vorsorgeuntersuchungen hätten wieder zugenommen, seien aber noch nicht wieder auf dem Stand von 2019. „Viele haben die Impfung abgewartet.“ Und bei einigen Patienten habe sich die fehlende Kontrolle negativ auf die Zahngesundheit ausgewirkt, berichtet er. „Das waren aber vor allem die, die ihre Zähne schon vorher nicht gut gepflegt haben.“

Die Krankenkasse Barmer hat die Zahlen für die Zahnvorsorge für das erste Pandemiejahr ausgewertet. Die Untersuchungen sind in Bayern um 5,1 Prozent zurückgegangen – am stärksten im zweiten Quartal, der Zeit des ersten Lockdowns. Bayerns Zahnärzte meldeten von April bis Juni 16 Prozent weniger VorsorgeBehandlungen. „Damals war die Unsicherheit sehr groß“, sagt Claudia Wöhler, die Geschäftsführerin der Barmer-Landesvertretung. Zum Jahresende ist die Zahl zwar wieder gestiegen (der Rückgang lag im dritten Quartal noch bei 8,3 Prozent, im vierten bei 1,9 Prozent). Trotzdem bereitet ihr das Thema Sorgen. Deshalb versuche die Barmer verstärkt, für die Vorsorge zu sensibilisieren. So bleibt etwa der Zuschuss zum Zahnersatz erhalten, auch wenn 2020 keine Kontrolle stattfand.

Auch die Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns hatte mit Sorge beobachtet, wie deutlich die Zahn-Vorsorge zurückgegangen ist. „Im ersten Halbjahr haben wir ein Minus von 650 000 Untersuchungen festgestellt“, sagt Sprecher Leo Hofmeier. Die KZVB hatte zu Beginn der Pandemie zwar eine Empfehlung gegeben, mit allen aufschiebbaren Behandlungen abzuwarten. Doch schon im vergangenen Sommer startete sie eine Kampagne, um wieder mehr Menschen für den Kontrollbesuch beim Zahnarzt zu motivieren. „Die Angst vor Infektionen beim Zahnarzt ist inzwischen deutlich geringer“, sagt Hofmeier. Es habe auch kaum Infektionen in den Praxen gegeben. „Zahnärzte müssen sich von je her gut vor ansteckenden Krankheiten schützen“, sagt er. „Sie können mit solchen Situationen gut umgehen.“ Der Hygieneaufwand sei in den Zahnarztpraxen gigantisch. Er ist überzeugt, dass das inzwischen die meisten Patienten bemerkt und ihre Sorge verloren haben. Die Zahlen würden das bestätigen, sagt er. Im Herbst 2020 sei bereits bemerkbar gewesen, dass viele Bayern ihre Vorsorge nachgeholt haben.

Dass die Zahngesundheit durch die fehlende Vorsorge sehr gelitten hätte, stellt die KZVB nicht fest. Hofmeier berichtet sogar von Studien aus Amerika, die einen anderen Effekt beschreiben: Durch das Masken-Tragen nehmen einige Menschen ihren eigenen Atem intensiver wahr – und putzen häufiger die Zähne.

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