Oberau – „Auf der A95 Stau am Autobahnende ab Eschenlohe“ – jeder Autofahrer kennt diese Ansage im Radio. 227 Staus zählte der ADAC im Jahr 2020 an dem Nadelöhr, 127 im ersten Halbjahr 2021. Damit soll 2028 Schluss sein – zumindest an dieser Stelle: Dann geht der Auerbergtunnel in Betrieb. Gestern, fünf Wochen vor der Bundestagswahl, war Spatenstich. Die Blasmusik spielte, gleich neun Männer (keine Frau) griffen zu Spaten, wuchteten sie in einen extra aufgeschütteten Sandberg. Unter ihnen der Bundesverkehrsminister, der das Projekt rühmte. „Die 167 Millionen Euro für den Auerbergtunnel sind gut angelegtes Geld“, sagte Andreas Scheuer (CSU). Man müsse doch nur auf die Kennzeichen schauen, meinte er mit Blick auf die Autokolonne, die an der nahen B2 wie bestellt gestern nur im Schritttempo vorwärts kam. Da sehe man, „dass man die Entlastung braucht“.
Die Bürgermeister vor Ort gaben ihm Recht. Eschenlohe sei der Ortsname, der im Verkehrsfunk am häufigsten genannt werde, sagte der dortige Bürgermeister Anton Kölbl. Auf Werbung dieser Art könne man verzichten. „Sie können sich nicht vorstellen, wie ich mich freue.“ Sein Kollege aus Oberau, Peter Immlinger, sehnt den Mai 2022 herbei. Dann soll die Ortsumfahrung Oberau eröffnet werden. Dieser drei Kilometer lange Tunnel schließt fast nahtlos an den Auerbergtunnel an und ist schon fast fertig.
Der Auerbergtunnel beginnt nicht direkt am Autobahnende. Vielmehr werden die Autofahrer Richtung Garmisch-Partenkirchen erst 1,5 Kilometer auf einer vierspurig ausgebauten B2 fahren, die dann im Tunnel verschwinden soll. Es wird eine zwei Kilometer lange zweispurige Röhre in jeder Fahrrichtung gebohrt, die bis zum Nordende von Oberau führt. Schon jetzt gibt es eine rasante Kostensteigerung: von 108 auf 170 Millionen Euro.
Der Auerbergtunnel ist das vierte von insgesamt fünf geplanten oder schon fertiggestellten Straßen-Großprojekten im Loisachtal:
. An den Tunnel Oberau schließt sich fast nahtlos der Farchanter Tunnel an, der schon seit dem Jahr 2000 in Betrieb ist.
Danach gibt es noch zwei weitere Tunnel in Planung oder Bau:
. Für Autofahrer Richtung Grainau/Lermoos wird durch das Bergmassiv des Kramer eine 5,6 Kilometer lange Westumfahrung von Garmisch betoniert. Dieser Tunnel wird im Gegensatz zu den anderen Projekten nur einspurig in jeder Richtung. Im Jahr 2024 soll der 263 Millionen Euro teure Tunnel fertig sein.
. Für Autofahrer Richtung Mittenwald ist der Bau eines 3,6 Kilometer langen einspurigen Tunnels unter dem Wank geplant, um so Partenkirchen vom Durchgangsverkehr zu entlasten. 2030 könnte er als letzter in der Reihe fertig sein.
Insgesamt summieren sich die Kosten für all diese Straßenprojekte auf fast eine Milliarde Euro. Daran entzündet sich auch Kritik. Der Garmischer Axel Doering ist Kreis–chef vom Bund Naturschutz. Er spricht von einem „Verkehrsmonster“. Der Auerbergtunnel werde kompromisslos abgelehnt – er ziehe noch mehr Verkehr an, bis zu 40 Prozent. Kritiker von Pro Bahn weisen darauf hin, dass der Ausbau der nur eingleisigen Bahntrasse nicht vom Fleck kommt. Die Werdenfelsbahn holpert, eingezwängt zwischen Loisach und der B2 teilweise mit Tempo 30 entlang. „Dieser Tag ist etwas Besonderes für den Landkreis“, sagt Vize-Landrat Michael Rapp (CSU). „Aber die Schiene darf nicht aus dem Blickfeld verschwinden.“ Sie sei „bei uns etwas zu kurz gekommen“.