Miesbach – Wer sich impfen lässt, wird mit einer Bratwurst-Semmel belohnt. So hat das zum Beispiel der Kelheimer Landrat Martin Neumeyer (CSU) gehandhabt. Neun Stunden stand er selbst bei einer Sonderimpfaktion am Grill. 350 Kelheimer ließen sich impfen. Mit der Bratwurst-Methode wollte kommendes Wochenende auch die Gemeinde Bad Wiessee (Kreis Miesbach) einen Impfanreiz schaffen. FC-Bayern-Legende Uli Hoeneß erklärte sich sogar dazu bereit, die Bratwürste zu spenden, um die Impfbereitschaft in seiner Heimatgemeinde zu steigern.
Von der Gratis-Bratwurst beim Impfbuseinsatz erfuhr Miesbachs Landrat Olaf von Löwis (CSU) erst aus der Presse – daraufhin machte er den Wiesseern klar, dass er keine Belohnung für Impflinge im Landkreis-Bus dulde. Während sein Kelheimer Amtskollege persönlich eine „Impfnacht“ ausrief, lehnt von Löwis Impfaktionen mit Show- und Volksfestcharakter ab. „Wir wollen auf der seriösen Seite bleiben“, erklärt er. Menschen mit Geschenken zu ködern, um ihnen die Spritze zu verpassen, hält er für unangemessen. Das sehen auch die Vertreter des Impfzentrums und des Bayerischen Roten Kreuzes in Miesbach so: „Wir wollen die Leute kriegen, aber nicht mit Würstln“, sagt Thomas Straßmüller, Leiter des Impfzentrums. Nur wegen der seriösen Beratung sei der Impfbus erfolgreich.
Aber nicht überall stellen die mobilen Impfteams einen positiven Trend fest. Josef Niedermaier (Freie Wähler), Landrat von Bad Tölz-Wolfratshausen, ist seit Anfang August auf der Suche nach neuen Wegen, die Zahl der Erstimpfungen wieder steigen zu lassen. Impfaktionen will Niedermaier künftig auf Veranstaltungen anbieten. „Die bittere Erkenntnis ist, dass tatsächlich doch einige die Impfung gerne mitnehmen, wenn sie praktisch auf dem Weg liegt“, sagt er. Etwa zum Kino oder Möbelhaus. Von Anreizen in Form von Geld oder Bratwurst hält er ebenfalls nichts. „Eher sollte man die belohnen, die sich registriert hatten und schon beim Impfen waren. Sonst finde ich das ungut.“
Ähnlich sieht man das auch im Kreis Fürstenfeldbruck, wo das BRK die mobilen Impfangebote mit den Freiwilligen Feuerwehren stemmt. „Kommendes Wochenende gibt es sieben Angebote“, sagt Ines Roellecke, Sprecherin des Landratsamtes. „Die sollen den Bürgern im ländlichen Westen den Weg erleichtern.“ Ein Belohnungssystem wurde nicht diskutiert, obwohl bisher noch verhalten auf die mobilen Impfangebote reagiert werde. Präsenz und Aufklärung sollten das ändern, nicht aber Geschenke. „Die Entscheidung, sich impfen zu lassen, hängt nicht von einer Gratis-Bratwurst ab“, sagt Roellecke.
Und auch in Wiessee gibt es am Samstag nun also doch keine Bratwurst als Impfbelohnung. Beim Blaulichttag des BRK gleich nebenan bekommen alle Besucher aber eine angeboten – auf Spendenbasis. Und auch Ungeimpfte. sco/va/jm