München – Wer sich verpflichtet, nach dem Medizinstudium in ländlichen Regionen zu arbeiten, erhält einen Studienplatz – auch ohne Einser-Abitur. 115 dieser besonderen Medizin-Studienplätze vergab das Bayerische Gesundheitsministerium nun im Rahmen eines Programms, das die Landarzt-Quote künftig steigern soll.
Bei der Auswahl der Bewerber ist nicht nur die Abschlussnote ausschlaggebend, auch andere Qualifikationen zählen. So haben fast zwei Drittel der ausgewählten künftigen Mediziner schon Berufserfahrung im medizinischen Bereich und sind daher im Durchschnitt 24 Jahre alt. „Sie verpflichten sich, nach dem Studium mindestens zehn Jahre lang als Hausarzt in einer Region zu arbeiten, die medizinisch unterversorgt oder von einer Unterversorgung bedroht ist“, erklärte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) das Modell.
Schon vor einem Jahr hatte der Freistaat 5,8 Prozent der Medizin-Studienplätze für das Programm reserviert. So begannen im Herbst 2020 rund 100 angehende Landärzte ihr Studium. Hintergrund ist, dass viele Nachwuchsmediziner nach ihrer Ausbildung lieber in Großstädten oder im Ausland arbeiten wollen. Viele Praxen auf dem Land müssen schließen, weil Ärzte in Rente gehen und sich keine Nachfolger finden.
Zusätzlich zu den begehrten Plätzen für ein Medizinstudium hat der Freistaat noch Studienplätze für Bewerber reserviert, die später in Gesundheitsämtern tätig sein wollen. 15 Kandidaten wurden hierfür ausgewählt und starten im Herbst in das Wintersemester an Universitäten in ganz Bayern.
Die Auswahlgespräche sind trotz erschwerter Bedingungen durch die Corona-Pandemie gut verlaufen, erklärte Holetschek gestern: „Wir konnten doppelt so viele Bewerber einladen, wie heuer Medizinstudienplätze über die Landarztquote und die Quote für den öffentlichen Gesundheitsdienst zur Verfügung stehen.“ mm/lby