Augsburg – Die älteste Sozialsiedlung der Welt feiert ihr 500-jähriges Bestehen. Zum Start des Jubiläumsprogramms, das sich bis ins kommende Jahr erstreckt, gibt es eine Festwoche in der Augsburger Fuggerei. Die Feiern starteten gestern exakt 500 Jahre nach der Entstehung der Sozialsiedlung: Jakob Fugger stellte die Stiftungsurkunde am 23. August 1521 aus.
Der reiche Augsburger Kaufmann gründete die Siedlung als sein Vermächtnis. Die Fugger waren im ausgehenden Mittelalter durch ihren weltweiten Handel eine der einflussreichsten Familien Europas. Bis heute leben etwa 150 Menschen in den 67 Häusern und 142 Wohnungen der Fuggerei – sie ist eine Art Stadt in der Stadt, es gibt sogar eine eigene Kirche. Denn festgelegt war, dass sich die Bewohner zu „drei täglichen Gebeten“ verpflichten müssen. Die Fuggerei bietet bedürftigen Menschen ein Zuhause, Gemeinschaftsgefühl und Hilfe zur Selbsthilfe. Die Jahreskaltmiete beträgt lediglich symbolische 88 Cent – ein Betrag, der sich durch Umrechnung des vor einem halben Jahrtausend festgelegten Rheinischen Guldens ergibt. Finanziert wird das mit nachhaltigen Erträgen aus der Forstwirtschaft, Eintrittsgeldern und Spenden.
Zu Beginn des Jubiläumsfestes gibt es Veranstaltungen wie Talkrunden über Humanität. Für die Kinder gibt der Zauberer Hardy Shows, der selbst seit einigen Jahren in der Fuggerei lebt. Hardy zählt seit Jahrzehnten, insbesondere durch seine Zauberkästen für Kinder, zu den bekanntesten Magiern Deutschlands.
Im kommenden Frühjahr soll es auf dem Augsburger Rathausplatz als Höhepunkt des Festjahres ein weiteres großes Veranstaltungsprogramm geben. Im Rahmen der Feiern wollen die Fuggerei-Verantwortlichen auch Konzepte diskutieren, wie ähnliche Sozialprojekte künftig in aller Welt umgesetzt werden können. Es gehe darum, „wie in Zukunft weitere Fuggereien – sogenannte Fuggereien der Zukunft – entstehen können“, erklärte die Vorsitzende des Fuggerschen Familienseniorats, Maria Elisabeth Gräfin Thun-Fugger, die Idee des Jubiläums. Ab 6. Mai sollen bei einem fünfwöchigen Festival die Ergebnisse dieser Gespräche vor dem Augsburger Rathaus präsentiert werden. Die 500-jährige Geschichte der Fuggerei wird künftig auch in einem Museum erzählt. Darin wird unter anderem die Stiftungsurkunde ausgestellt. Mit mehr als 200 000 Besuchern pro Jahr ist die Fuggerei auch eine der größten Touristenattraktionen Augsburgs.
Das Thema preiswertes Wohnen ist heute aktueller denn je. Deshalb sei das Jubiläum nicht nur ein Rückblick. „Wir schauen auch in die Zukunft“, sagt der Administrator der Fuggerischen Stiftungen, Wolf-Dietrich Graf von Hundt. Die Stiftung will anregen, über gesellschaftliche Herausforderungen nachzudenken. Auch in der Fuggerei habe sich die Warteliste in den vergangenen Jahren verdoppelt, berichtet eine Sprecherin. „Man merkt den Druck auf den Immobilienmarkt ganz deutlich.“ Es gibt aktuell rund 80 Bewerbungen. Pro Jahr würden etwa zehn Wohnungen frei. Die Menschen leben teils 30 Jahre in der Siedlungen. lby/mm