Testpflicht steigert Impfwillen

von Redaktion

VON CORNELIA SCHRAMM

Dachau – Damit hat Paul Polyfka nicht gerechnet. Als das Impfzelt aufgestellt wird, bildet sich eine lange Warteschlange. Nur einen Tag, nachdem die neuen Regeln für Ungeimpfte bekannt gegeben wurden, ist der Andrang auf die mobile Impfstelle des Roten Kreuzes in Dachau so groß wie nie. „Am Bahnhof in Dachau haben wir in drei Stunden 84 Impfungen durchgeführt – das war schon außergewöhnlich“, sagt Polyfka, Geschäftsführer des BRK-Kreisverbandes. Zuvor hatten das mobile Angebot meist nur maximal 25 Personen pro Tour genutzt. „Die Nachfrage auf unsere freien Angebote war also dreimal so stark wie vorher.“

Nach einer Phase der Impfmüdigkeit bemerkt auch das Gesundheitsministerium einen Aufschwung: „Wir konnten in den letzten beiden Wochen beobachten, dass sich wieder mehr Menschen für eine Impfung registrieren“, sagt eine Sprecherin. Die Kombination aus niederschwelligen Angeboten, das Wissen um steigende Inzidenzen und auch die neuen Regeln hätten offenbar dazu geführt, dass sich noch Zögernde zu einer Impfung entschieden haben.

Mit Zahlen belegen kann das Gesundheitsministerium das noch nicht. Das Robert-Koch-Institut schon: Am Mittwoch ließen sich in Bayern 15 705 Menschen zum ersten Mal impfen. Am Mittwoch vor einer Woche waren es 15 019. Am 5. August noch 14 031.

Schon seit Anfang August bietet das BRK im Kreis Dachau diverse Angebote für Spontane an: Im Impfzentrum gibt es offene Sprechstunden und das BRK fährt mit Rettungswagen abgelegene Ortschaften oder beliebte Plätze an. „Anfang August war die Nachfrage verhalten“, sagt Polyfka. „Seit der Ankündigung merken wir aber einen kleinen Boom: Zwischen 30 und 45 Personen lassen sich nun pro Tour impfen.“ Die Nachfrage schwanke und sei ortsabhängig, aber bisher halte sich das Niveau.

„Es sind ja schon viele Leute geimpft, da gibt es keinen großen Ansturm mehr“, sagt Polyfka. Jetzt gelte es Skeptiker aufzuklären und die letzten Impf-Trödler zu erreichen. Steigen Letztere aus der S-Bahn und haben den Impfbus vor der Nase, nutzen sie das Angebot spontan, hofft das BRK. „Durch die Gespräche vor Ort merken wir, dass viele, die bisher noch gezögert haben, jetzt bereit sind, sich impfen zu lassen“, erklärt Polyfka. Und oft sei Bequemlichkeit der Grund. „Viele wollen sich impfen lassen, bevor für sie alles zu umständlich wird.“

In den Hausarztpraxen zeichnet sich derzeit statistisch noch keine Steigerung der Impfbereitschaft ab. Aber auch hier herrscht Urlaubszeit. Laut Oliver Abbushi, Hausarzt in Oberhaching (Kreis München), nimmt die Zahl der Impfungen in den letzten Wochen in seiner Praxis aber gefühlt wieder zu. „Wir merken, dass Eltern ihre Kinder vermehrt zum Impfen schicken. Es kommen jetzt aber auch Patienten, die die Impfung vielleicht bisher noch etwas vor sich hergeschoben haben.“ Einige wollen in Zukunft auch nicht ständig selbst für Tests bezahlen. „Viele begreifen jetzt, dass der Alltag ungeimpft nicht leichter wird.“

Auf die wachsende Nachfrage für Spontan-Angebote reagieren auch andere Landkreise. Im Impfzentrum im Kreis Miesbach etwa findet jeden Abend eine „Happy Hour“ statt. „In der Regel kommen täglich 35 bis 50 Impfwillige. Sonntags sind essogar bis zu 70, weil wir da auch Familien- und Schwangerenberatung anbieten“, sagt Mirjam Schrön, die stellvertretende ärztliche Leitung im Impfzentrum. Vorige Woche haben sich allein in der „Happy Hour“ 480 Menschen impfen lassen – ohne Termin und mit Wunsch-Impfstoff. Biontech bleibt der beliebteste Impfstoff. Doch Johnson & Johnson holt auf. Immerhin wirkt der US-Impfstoff nach nur einem Pieks – und das passt in das Konzept vieler Kurzentschlossener.

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