Karpfenzucht bedroht

von Redaktion

Klimawandel gefährdet altes Handwerk

Schwarzenfeld – In Gummistiefeln steht Hans Schießl an einem seiner Fischteiche in der Oberpfalz und wirft mit gekonntem Armschwung ein Netz ins Wasser. Der 74-Jährige ist Fischwirt in dritter Generation und zugleich Vizepräsident des regionalen Fischereiverbandes. Die Karpfenzucht ist seine Leidenschaft – auch wenn das Geschäft schwieriger wird. Der Klimawandel macht auch vor der Fischerei nicht halt, dazu raubten Kormorane und Fischotter vielerorts die Teiche aus. Hinzu kämen Bürokratie, Naturschutzverordnungen und geänderte Essgewohnheiten der Menschen, sagt Schießl. Diese Probleme werden durch den Titel „Immaterielles Kulturerbe der Unesco“ nicht weniger.

Grundlage für die Teichwirtschaft sei das über Generationen weitergegebene Wissen über Teichbau und Teichpflege, Füttern und Abfischen, heißt es in der Begründung der Unesco-Kommission. So ist es auch bei der Familie Schießl aus Schwarzenfeld (Kreis Schwandorf). Der Großvater habe in den 30er-Jahren rund 350 Hektar Teichlandschaft von einer insolvent gegangenen Grafschaft gekauft und später seinen Söhnen vermacht, erzählt Schießl. Er wiederum hat seinen Betrieb inzwischen seinem Sohn übergeben – und packt selbst aber noch regelmäßig mit an.

Große Teichflächen seien einst dem Kohleabbau zum Opfer gefallen, erzählt er. Unterhalb seiner Grundstücke befinde sich zwar auch Kohle, diese sei jedoch als nicht förderwürdig eingestuft, so seien seine Teiche erhalten geblieben.

Kormorane und Fischotter – beides geschützte Arten – gingen in den Teichen auf Raubzug, ohne dass die Teichwirte richtig effektiv etwas dagegen tun dürften, klagt Schießl. Etliche Teichwirte hätten ihren Betrieb aufgegeben oder stünden kurz davor. Aufwand und Ertrag rechneten sich für viele nicht mehr. Schießl hofft, dass sein Handwerk überdauert. Der Unesco-Titel sei für die Karpfenzüchter Ehre und Auftrag zugleich. lby

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