Auf der Jagd nach dem perfekten Blitz

von Redaktion

VON CLAUDIA SCHURI

Fischbachau – Das dunkle Ungetüm dreht sich wild und wird von Donnergrollen begleitet. Michael Hutter ist noch ein Bub, acht Jahre alt, es ist das erste Mal, dass er eine Gewitterwolke auf sich zu kommen sieht. Ein prägender Moment – und der Beginn einer großen Leidenschaft für Gewitter.

Zwei Jahrzehnte sind seit damals vergangen. Und heute ist der 28-Jährige aus Fischbachau im Kreis Miesbach ein sogenannter Sturmjäger: Sein Hobby ist es, Gewitter in ganz Südbayern zu fotografieren. Wenn andere wegen der dunklen Wolken am Himmel so schnell wie möglich nach Hause eilen, packt er seine Ausrüstung zusammen und fährt los. Genau wie einige Gleichgesinnte. Diese Gruppe Sturmjäger nennt sich „Unwetter Freaks“ und teilt ihre Fotos und Videos in sozialen Medien wie Facebook, Instagram und Twitter. „Wir wollen die Menschen auch rechtzeitig vor Hagel oder anderen gefährlichen Wetterlagen warnen“, betont Hutter.

Diesen Sommer hatten die Sturmjäger besonders viel zu tun. „Es gab so viele Superzellengewitter wie schon lange nicht mehr“, berichtet er. Superzellen sind sehr große Gewitterkomplexe, die zum Beispiel mit heftigem Starkregen, großem Hagel, schweren Sturm- oder Orkanböen oder sogar Tornados einhergehen. „Sie sind sehr langlebig“, erklärt Hutter. Rund zehn Superzellen fotografierten er und die anderen Gruppenmitglieder heuer schon. Die meisten haben ihren Ursprung im Allgäu: „Es gibt zwei typische Zugbahnen“, sagt er. „Entweder die Superzellen ziehen Richtung Nordosten oder an den Alpenrand.“ München hatte Glück: „Alle Superzellen sind vorbeigezogen“, berichtet er.

Doch auch in der Stadt gab es diesen Sommer schon einige Unwetter. Der Siemens Blitz-Informationsdienst zeichnete in München bis Ende vergangener Woche rund 1399 Erdblitze auf. Zum Vergleich: 2020 waren es im gesamten Jahr 698 Erdblitze und 2019 nur 374. Bayernweit liegt die Zahl der Erdblitze heuer schon bei 144 000. Im gesamten Vorjahr waren es 114 000 und 2019 sogar nur 69 000. „Bei der Blitzdichte liegen derzeit der Landkreis Starnberg sowie Augsburg und Kempten vorne“, berichtet eine Sprecherin.

Die „Unwetter Freaks“ analysieren das Wettergeschehen ganz genau. „Vier oder fünf Tage zuvor gibt es bei schweren Gewittern schon eine Tendenz“, sagt Michael Hutter. „Ein bis zwei Tage vorher ist die Sicherheit dann relativ hoch.“ Für besonders außergewöhnliche Gewitter fährt die Gruppe manchmal auch ins Ausland. Nächstes Jahr ist zum Fotografieren eine Reise in die „Tornado Alley“ in den USA geplant.

Egal, ob in der Ferne oder in Bayern: „Man fährt nie allein, sonst kann es schnell gefährlich werden“, sagt Michael Hutter. Stattdessen sind neben dem Fahrer noch ein Navigator und jemand, der die Wetterkarten verfolgt, dabei. „Die Kunst ist, immer im Trockenen zu bleiben“, erklärt der 28-Jährige. „Wir wollen nicht direkt im Gewitter sein, sondern am besten davor bleiben.“ Dort entstehen dann auch die schönsten Fotos und Videos.

Michael Hutter ist noch jedes Mal fasziniert von der Gewalt der Gewitter: „Man spürt einfach, wie unkontrollierbar die Natur ist“, sagt er. Das kann er gar nicht oft genug beobachten.

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