Hilpoltstein – Es ist ruhig geworden in Bayerns Gärten. Die Vögel zwitschern nicht mehr so viel wie im Frühsommer. Den bayerischen Landesbund für Vogelschutz (LBV) erreichen aktuell viele Nachfragen von Gartenbesitzern, die sich wundern, dass sie so wenig Vögel sehen. „Der nachlassende Vogelgesang ist kein Grund zur Sorge“, sagt der Biologe Simon Niederbacher. Die Vögel sind zwar bei ständigem Dauerregen weniger aktiv. Die Erklärung, warum sie aktuell seltener zu sehen und zu hören sind, ist aber eine andere.
„Der Gesang der Vögel hat zwei Funktionen: einen Partner anzulocken und das Brutrevier zu markieren“, erklärt Niederbacher. Entsprechend haben die Vögel außerhalb der Brutzeit keine Notwendigkeit zu singen. „Denn sobald die Jungen bei den meisten Arten ab Mitte Juli das Nest verlassen, müssen die Eltern ihr Territorium nicht weiter verteidigen und haben frei“, sagt der LBV-Biologe. Jetzt noch vehement das Revier mit Gesang zu verteidigen, würde bloß unnötig Energie verbrauchen.
Und die Gartenvögel haben noch einen weiteren Grund, sich derzeit rar zu machen: Nachdem die Jungenaufzucht beendet ist, beginnt bei den meisten Arten die Mauser. Der Austausch sämtlicher Federn benötigt mehrere Wochen. Während dieser Zeit sehen die Vögel zerzaust aus und können schlechter fliegen, da auch die Flügelfedern erneuert werden. Deswegen verbergen sie sich so gut wie nur möglich, um Feinde nicht auf sich aufmerksam zu machen. „Dabei entsteht leicht der Eindruck, die Vögel seien einfach verschwunden“, sagt Simon Niederbacher. Wer seinen Garten vogelfreundlich gestaltet, bietet den gefiederten Nachbarn also nicht bloß natürliche Futterquellen, sondern auch die nötigen Rückzugsräume für diese sensible Zeit.
Auch das veränderte Nahrungsangebot im Spätsommer trägt dazu bei, dass die gewohnten Gartenbesucher scheinbar verschwinden. Denn jetzt gibt es reichlich reife Früchte und Samen. „Viele Vögel verlassen daher ihr Nistgebiet und fliegen dorthin, wo sie die besten Futterquellen vorfinden“, erklärt Niederbacher. mm