Dachau – In Dachau ist eine 60-Jährige beinahe auf Telefonbetrüger hereingefallen. Nur dank eines Sparkassen-Mitarbeiters hat sie ihre Ersparnisse behalten.
Die Frau hatte bereits 60 000 Euro von der Bank abgehoben. Sie hatte einen Anruf erhalten. „Hallo Mama, ich hatte einen schlimmen Unfall“ – sie hielt die Anruferin für ihre Tochter, die Stimme war zum Verwechseln ähnlich. „Ich habe ein Menschenleben auf dem Gewissen und sitze im Gefängnis. Damit ich raus kann, brauche ich 60 000 Euro Kaution.“ Der Polizei werden immer mehr Fälle dieser neuen Betrugsmasche gemeldet. Sie warnt seit Wochen vor den sogenannten Schockanrufen. Doch die 24-jährige Tochter der Dachauerin war mit ihrem Auto nach Italien in den Urlaub gefahren. Deshalb ging die Frau davon aus, dass es sich bei der Anruferin wirklich um ihre Tochter handelt. Zudem klingelte das Telefon kurz nach dem Anruf ein zweites Mal. Diesmal gab sich der Anrufer als Staatsanwaltschaft München aus und bestätigte den Unfall. Die Dachauerin vereinbarte einen Treffpunkt für die Geldübergabe und fuhr zu ihrer Bank.
Dort wurde ihr Berater Karl Leitsbach aufmerksam, als sie so viel Geld abhob. Er empfahl ihr, die Polizei anzurufen. Die 60-Jährige hatte noch gar nicht an einen Betrug gedacht. Doch ihr Mann hatte sich inzwischen bei der Polizei erkundigt, ob der Betrag auch überwiesen werden könne. Als die Polizei ihn warnte, rief er die Tochter an und es stellte sich heraus, dass sie tatsächlich auf Telefonbetrüger hereingefallen waren. Die Familie erstattete Anzeige.
Die Kommunikation zu den Betrügern war aber bereits abgebrochen. „Sie werden bei den kleinsten Verzögerungen skeptisch“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord. Die Methoden der Betrüger würden immer „ausgefuchster“, betont er. Sie versetzen ihre Opfer in Stress- oder Angstsituationen. Die Polizei rät, bei solchen Anrufen am besten sofort aufzulegen. NIKOLA OBERMEIER