SO SCHAUT’S AUS!

Mei, die Leut halt

von Redaktion

VON MANFRED SCHAUER, DEM SCHICHTL VON DER WIESN

Die letzten acht Monate haben sich die Leute um mich herum ganz schön verändert. Gefühlt, nein tatsächlich, jedenfalls mehr, als in den letzten acht Monaten 2020. Ob hier eine Übersäuerung der Geduld oder generelle Bräsigkeit der Grund dafür ist? Egal, die sich um mich befindliche Menschheit hab ich definitiv schon wesentlich netter zur Kenntnis genommen. Unter Umständen die mich aber auch, obwohl ich mit mir recht gut zurechtkomme.  Aus Vorahnung hab ich letztes Jahr schon prognostiziert, dass sich Freundeskreise und andere Gemeinschaften gegenseitig verbrauchen, man konnte sich wegen Corona ja bloß immer in selber Gesellschaft aufhalten. Die Flucht in die sozialen Medien hat eher zu einer intellektuellen Monokultur geführt, der Mensch an und für sich ist halt ein Rudel-Tier. Richtig hart hat es Leute getroffen, die seuchenbedingt auch noch ein Berufsverbot hinnehmen mussten.  Ganz anders ein Freund von mir, er ist einer von rund 150 HNO-Ärzten in München. In unserer Stadt stehen sage und schreibe drei Millionen Ohren und jeweils eineinhalb Millionen Nasen und Hälse zur Disposition. Ich schenk’s mir jetzt, das durch 150 zu dividieren. Auch die Polizei war kaum weniger beschäftigt. Die rückgängigen Unfallzahlen wurden durch Anrufe besorgter Blockwarte wettgemacht. Und die Tierhandlungen, O mei! Ein Viecherl sollte man aus Tierliebe und nicht zum Zeitvertreib an- und dann wieder abschaffen. Hut ab dagegen vor Schülern und Eltern, vor allem Alleinerziehenden! Ich weiß nicht, ob die Verantwortlichen wissen, was denen abverlangt worden ist.  Die Eisenbahner haben eigentlich immer zu tun, wenn auch viele Lokführer zuletzt öfter auf als an der Zugspitze waren.  Ein Verweigerer seiner Bestimmung war und ist heuer auch der Sommer. Ich persönlich hab absolut nix gegen Schauer, ganz im Gegenteil, so ein Schauer kann äußerst erquicklich, erfrischend und labend sein. Anders als ein Duscher oder Platzregen, kündigt sich ein Schauer meistens an.  Was mich sehr trifft: Dass die Bevölkerung meistens froh ist, wenn ich, äh, der Schauer wieder weg ist. Jedenfalls hätt es mich bei dem Regen-Sommer nicht gewundert, wenn jemand seine Goldfische draußen spazieren geführt hätte.  Ich bin mit einem Hund befreundet, der heißt Simba und ist eigentlich ein Golden Retriever, war das ganze Jahr aber eher ein Seehund, so wie der nach dem Gassigehen ausgeschaut hat. Gebotsbedingt ist es an der Isar derart zugegangen, dass es im Frühjahr schon klüger gewesen wäre, den Tierpark für einen kontrollierten Zulauf zu öffnen, weil mittlerweile die Polizei dazu aufgerufen hat, die Flaneure an den Gestaden mögen bitte Rettungsgassen bilden.  Mir ist schon klar, dass, wenn überhaupt, wir hier auf einem sehr hohen Niveau hadern. Was soll’s, auf keinen Fall möcht ich woanders leben, schreiben und gelesen werden!

Habe die Ehre, Manfred Schauer

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