Mit Pumuckl durch die Pandemie

von Redaktion

VON DOMINIK GÖTTLER

München – Der Pumuckl liegt in seinem Bett und denkt nach. So lange, dass er schon gar nicht mehr weiß, worüber eigentlich. So ist es ihm in letzter Zeit häufiger gegangen. Kein Spielplatz, kein Zoo, kein Musikunterricht – und alles wegen diesem „scheußlichen Virus“. Der Pumuckl ist mütend, stellt er schließlich fest, eine Mischung aus wütend und müde, nach dieser langen Zeit in der Pandemie.

Diese Geschichte von Autorin Silke Stuck ist Teil des „Muckl“-Magazins, mit dem das Gesundheitsministerium auf die psychischen Folgen der Corona-Pandemie für Kinder aufmerksam machen will. 500 000 Exemplare werden davon gedruckt und etwa in Apotheken, Arztpraxen und Jugendämtern verteilt, wie Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) gestern in München ankündigte. Das Magazin soll Eltern dabei helfen, mit den Belastungen der Pandemie durch langes Homeschooling, soziale Distanz und weggebrochene Freizeitangebote für ihre Kinder umzugehen. „Wir wollen dazu sensibilisieren, dass sich Familien Hilfe holen können, wenn es den Kindern schlecht geht“, sagt Holetschek.

Neben der Pumucklgeschichte – für die extra die Erlaubnis der Rechteinhaber des berühmten Kobolds eingeholt wurde, wie Holetschek betont – gibt es Rätsel- und Bastelaufgaben rund um die Themen Wut, Angst, Traurigkeit und Freude. Und für die Eltern ist eine kleine Broschüre mit dabei, in der Informationen zu Beratungsstellen und Hilfsangeboten für belastete Familien in ganz Bayern aufgelistet sind – von den telefonischen Krisendiensten bis zum Netzwerk der Familienpaten in Bayern.

Prof. Gerd Schulte-Körne, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Klinikum der LMU München, lobt den Ansatz der kindgerechten Aufklärung über Ängste und psychische Probleme. „Oft wird nur über die Kinder geredet, aber nicht mit ihnen.“ Das Magazin könne dabei helfen, mit den Kindern ins Gespräch zu kommen über ihre Sorgen.

Schulte-Körne hat in der Klinik zuletzt viele Fälle erlebt, in denen Kinder und vor allem Jugendliche mit den Folgen der Pandemie und der Lockdowns überfordert waren. „Mit dem Distanzunterricht, den ausgefallenen Geburtstagsfeiern, aber auch Krankenhaus- und Sterbefällen in der Familie kommen viele Kinder nicht zurecht“, sagt er. Manche seien durch diese Belastungen psychisch krank geworden. Auch wenn es sich in Zahlen kaum festmachen lasse, weil die Entwicklung oft erst verzögert eintrete, so habe er vor allem im zweiten Lockdown einen starken Anstieg der Fälle beobachtet. Dass zuletzt auch viele Jugendämter mehr Kindeswohlgefährdungen infolge der Pandemie meldeten, sei ein Alarmzeichen. Dass Kinder in solchen Zeiten Ängste entwickeln, sei ganz normal. „Das darf kein Stigma sein. Wir müssen Angebote machen, um ihnen zu helfen. Denn viele Kinder und auch ihre Eltern schaffen das nicht allein.“

Sein Appell an die Eltern: Lieber einmal zu viel zur Beratungsstelle gehen, als alle Probleme nur selbst lösen zu wollen. Als Anzeichen für psychische Probleme nennt Schulte-Körne etwa: Kinder, die zunehmend schlecht schlafen und sich zurückziehen, die nicht mehr wie gewohnt spielen oder nicht mehr vom Schoß der Mutter weg wollen, obwohl es für dieses Verhalten scheinbar keinen Anlass gibt.

Mit Blick auf das bevorstehende neue Schuljahr hofft der Klinik-Direktor, dass die Zeit im Klassenzimmer nicht mehr so stark wie bisher durch Quarantäne oder Distanzunterricht eingeschränkt wird. „Denn das könnte das Fass zum Überlaufen bringen. Mit Blick auf die psychische Entwicklung bei den Kindern kann ich nur davon abraten, wieder großflächig zum Distanzunterricht zurückzukehren.“

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