München – Jedes Jahr im Sommer gehen in Puch im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm die Kontrollgänge los. Schon seit vier Jahren werden ab Mitte Juni die Straßenränder und Äcker Meter für Meter überprüft, erklärt Angela Rottler vom Landratsamt. Wieder und wieder wird Ausschau gehalten, um die Pflanze zu finden und zu vernichten, die vielen Menschen in ganz Bayern sprichwörtlich den Atem raubt: Das sogenannte Beifußblättrige Traubenkraut, besser bekannt als Ambrosia.
Das Unkraut, mit den vielen kleinen, beidseitig grünen Blättern und dem traubenförmigem Blütenstand, blüht bis in den Herbst hinein. Seine Pollen sorgen bei Allergikern schnell für tränende Augen und gereizte Atemwege, bis hin zum Asthma. Seit 2007 versucht der Freistaat bereits, dem ungebetenen Gastgewächs aus Nordamerika Herr zu werden.
Mit bisher eher mäßigem Erfolg, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums zugibt: „Insgesamt ist es gelungen, die unkontrollierte Ausbreitung der Allergiepflanze zu verlangsamen“, sagt er. Doch los wird Bayern die Pflanze offenbar nicht mehr. Das bestätigen die Zahlen des Ministeriums: In ganz Bayern wurden in den vergangenen 14 Jahren 544 große Bestände, also Ansammlungen mit mehr als 100 einzelnen Pflanzen, entdeckt. Erfolgreich bekämpft seien davon gerade einmal 21,9 Prozent, heißt es.
Die Pflanze verbreitet sich vor allem durch verschleppte Erde, etwa an Orten, an denen viel gebaut wird. Daher findet sich der größte Teil des Aufkommens in Stadt und Landkreis München, mit 38 großen Beständen. Allein 2020 wurden dort über 4500 neue Pflanzen entdeckt. Das zweithäufigste Vorkommen verzeichnet das Gesundheitsministerium im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm mit 26 großen Beständen. Auch dort wurden etwa 4000 neue Pflanzen im vergangenen Jahr entdeckt. Den dritten Platz teilen sich die Landkreise Freising und Kelheim, mit jeweils 18 großen Beständen. Und das sind nur die Bekannten. „Untersuchungen zur Dunkelziffer haben ergeben, dass die Zahl der unentdeckt gebliebenen Bestände wahrscheinlich mehrfach so hoch ist wie die Zahl bekannter Bestände“, so der Ministeriumssprecher.
Außerdem sei das Wetter in den vergangenen Jahren ideal für die Pflanze gewesen, mit heißen Sommern sowie dem ausgiebigen Regen in diesem Jahr. Zwar gab es bereits in den 1860er-Jahren die ersten Ambrosia-Gewächse in Deutschland, doch erst ab den 1990ern konnten sie sich nennenswert vermehren. Dank des Klimawandels und der damit verbundenen steigenden Temperaturen.
Was dagegen bei der Verbreitung kaum mehr eine Rolle spiele, seien Samen im Vogelfutter, die früher die große Verbreitung begünstigt hatten, heißt es vom Ministerium. Die Samen gerieten etwa bei der Ernte von Sonnenblumenkernen mit in die Packungen und wurden dann beim Füttern ausgesät, erklärt der Sprecher. Aber seit ein EU-weiter Futtermittel-Grenzwert für den Handel eingeführt wurde, sei die Verunreinigung nur noch minimal.
Mit seinem Aktionsprogramm „Ambrosiabekämpfung“ versucht der Freistaat, die Bürger über das Unkraut zu informieren. In der Hoffnung, dass auch diese freiwillig gegen das Gewächs vorgehen. Denn eine rechtliche Regelung gibt es bisher nicht. Nur in seltenen Einzelfällen könnten die Kommunen den Befehl geben, dass jemand die Pflanze von seinem Grund entfernen müsse, heißt es.
So wird in Puch weiterhin mit Schutzhandschuhen und Brille versucht, dem Allergiegewächs durch Ausreißen und Mähen den Garaus zu machen. Laut Angela Rottler vom Landratsamt Pfaffenhofen wurden betroffene Bereiche zeitweise gefräst und mit Getreide bepflanzt. Ihrer Meinung nach liege der Schlüssel zum Erfolg in der kontinuierlichen Überprüfung der bekannten Flächen: „Auch wenn in einem Jahr keine Pflanze keimt, ist es trotzdem notwendig, weiter zu kontrollieren“, sagt sie.
Dadurch seien bereits erste Erfolge zu verzeichnen: „Der Zustand der Fläche bessert sich merklich“, sagt Rottler. Aber auch ihr ist klar, dass die Bekämpfung noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann.
18 große Bestände im Kreis Freising