Razzia bei Dreifachmord-Ermittlung

von Redaktion

Starnberg: Ehemaliger Vermieter spricht über Angeklagten

Starnberg – Während des laufenden Prozesses um einen mutmaßlichen Dreifachmord in Starnberg fand nun eine Razzia beim Vermieter des Hauptangeklagten statt. Wie der Mann aus Olching (Kreis Fürstenfeldbruck) berichtet, habe die Kriminalpolizei ihn um sieben Uhr aus dem Bett geklingelt. „Ich trug nur Nachthemd und Unterhose und dachte, meine Nachbarin hätte sich ausgesperrt“, sagt der 80-Jährige. „Die Kriminalpolizei durchsuchte meine Werkstatt nach Waffen. Ich ging dann zum Einkaufen und habe sie in Ruhe arbeiten lassen.“

Nach der Razzia hofft der Olchinger jetzt, dass in seiner Doppelhaushälfte endlich etwas Ruhe einkehrt. „Was passiert ist, ist heftig. Ich habe mir nie Gedanken um meinen Untermieter gemacht“, sagt er. „Im Gegenteil: Der junge Mann kam immer sehr gepflegt und freundlich rüber.“ Dass er in illegalen Waffenhandel verwickelt sein und zum Mörder werden könnte, hätte sich der Olchinger nie träumen lassen. Genau dafür steht der heute 21-Jährige aber nun vor Gericht: Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass er im Januar 2020 in Starnberg eine ganze Familie auslöschte – einen 64-Jährigen, seine 60-jährige Ehefrau und ihren gemeinsamen Sohn erschoss. Danach stahl er die Waffensammlung des Sohnes. Ein 20-jähriger Slowake soll ihm bei der Tat geholfen haben.

„Der junge Mann wohnte fast ein Jahr bei mir. Als meine Tochter auszog, besichtigte er das Apartment im Dach mit seinen Eltern“, sagt der Olchinger, der inzwischen schon selbst ganze zwei Stunden lang als Zeuge vor Gericht ausgesagt hat. „Dass er unbrauchbare Waffen gekauft und hergerichtet hat, habe ich die ganze Zeit nicht mitbekommen. Scheinbar hat er das aber wirklich auch in meinem Keller gemacht.“

Angeboten hatte der Rentner es seinem Untermieter nie, die Werkstatt ohne ihn zu benutzen. Ab und an habe der Olchinger aber bemerkt, dass die Drehbank anders eingestellt war oder Werkzeug nicht an seinem Platz lag. „Der junge Mann hat mich öfter in meiner Werkstatt besucht. Er war sehr wissbegierig und technikinteressiert. Es hat mir Spaß gemacht, ihm alles zu zeigen.“

Als sein Untermieter dann auch einige Male alleine in der Werkstatt war, hat ihn der 80-Jährige nicht zur Rede gestellt. „Meine Werkstatt ist nie abgesperrt. Der junge Mann hat eben kurz meine Maschinen gebraucht und tüftelt vielleicht gerade an etwas, habe ich mir dann gedacht.“ Er vertraute ihm, schließlich klopfte der Untermieter auch mal an seiner Wohnungstür. Fragte, wie es ihm gehe. Oder präsentierte ihm seine neue Frisur.

„Er war sehr nett. Ich glaube, er ist einfach in die falschen Kreise und dann auf die schiefe Bahn geraten“, sagt der 80-Jährige. Dass er unter der Scheidung seiner Eltern gelitten hat, habe der Olchinger oft bemerkt. Das, was er vergangenes Jahr getan hat, rechtfertige das aber natürlich nicht. „Er und seine Freunde hätten mich auch umgebracht, wenn ich etwas über die Waffen gewusst hätte“, davon ist er überzeugt. Die Familie aus Starnberg habe sterben müssen, weil sie Mitwisser waren. C.SCHRAMM

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