München/Grainau – Das schöne Wetter lockte viele Wanderer und Kletterer in die Berge – für die Rettungskräfte bedeutete das Dauerstress. Allein im Kreis Berchtesgaden rückten die Retter in einer Woche 18 Mal aus. An den Drei Zinnen in Südtirol mussten zwei Münchner gerettet werden. Andere Alpinisten hatten nicht so viel Glück.
Um 15.15 Uhr wurde am Samstag die Bergrettung Hochpustertal alarmiert: Zwei Kletterer aus München wollten die Dibonakante an der Großen Zinne (2999 Meter) bezwingen. Über die 500 Meter hohe teils überhängende Nordwand des Gipfels führt an der Ostseite der Dibonakante ein Klettersteig entlang. Mit einem Schwierigkeitsgrad IV+ gilt die Route als leichtere Kletterei, allerdings geht man sie mit Seil. Im oberen Viertel wurden die beiden Münchner allerdings von einem Gewitter und Hagel überrascht. Sie konnten nicht mehr selbst nach unten und riefen die Bergrettung.
An der exponierten Stelle knapp unterhalb des Gipfels kam nur eine Rettung per Hubschrauber in Frage. „Gott sei Dank hat es nicht gewittert, als der Helikopter zu den beiden aufgestiegen war“, sagt Martin Pichler von der Flugrettung Südtirol. „Die Bergung an der Wand ist nicht ganz einfach.“ Windböen könnten den Helikopter an die Steilwand drücken. Mit einer Seilwinde konnten die Münchner aber in den Helikopter gezogen und ins Tal gebracht werden.
Zu einem Rettungseinsatz an einem Klettersteig wurde am Samstagabend auch die Bergwacht Grainau (Kreis Garmisch-Partenkirchen) gerufen. Ein 61-jähriger Mann aus Penzing (Kreis Landsberg am Lech) wollte die Zugspitze über das Höllental besteigen. Knapp 300 Höhenmeter unterhalb des Gipfels verlor der Mann auf rund 2700 Metern Höhe aber den Halt und stürzte ab. Ein Paar aus Köln beobachtete das Unglück und alarmierte gegen 17 Uhr die Bergwacht. Weil beide nur gebrochen Deutsch sprachen und sich schwer taten, die Unfallstelle zu beschreiben, wurden gleich zwei Rettungshubschrauber verständigt. Erst gegen 19.35 Uhr konnte der Polizeihubschrauber Edelweiß 3 einen leblosen Körper im Klettersteig entdecken.
Wegen schlechter Sicht konnte der Mann nach Feststellen des Todes nicht mehr geborgen werden – die Einsatzkräfte entschieden sich gegen 20 Uhr, ihn über Nacht am Berg zu lassen. „Eine Frage der Sicherheit“, betonte Toni Vogg, stellvertretender Bereitschaftsleiter der Bergwacht Grainau. Am Sonntagmorgen flog die Mannschaft den Verunglückten ins Tal.
Auch in Fügenberg im Zillertal in Tirol konnte ein Notarzt am Samstag nur noch die Bergung eines toten Wanderers veranlassen. Der 66-Jährige aus Karlsruhe war zusammengebrochen und sofort gestorben. Die Tiroler Einsatzkräfte mussten am Samstagnachmittag unabhängig von diesem Unglück auch im Karwendelgebirge zur Rettung einer vierköpfigen deutschen Wandergruppe aufbrechen.
Eine 52-Jährige aus Karlsruhe war etwa vierzig Höhenmeter oberhalb des Karwendelhauses auf einem Steig gestürzt. Die Stelle, an der sich das Unglück ereignete, war mit einem Drahtseil gesichert. Um sich daran festhalten zu können, wollte die 52-Jährige ihre beiden Wanderstöcke in die linke Hand nehmen. Nachdem sie sich mit dem Rücken in Richtung Abhang gedreht hatte, verlor sie das Gleichgewicht, stürzte rund 100 Höhenmeter tief und verletzte sich an den Felsen so stark, dass sie sofort starb. we/ kat