Nervenprobe in der Wahlnacht

von Redaktion

Nicht in allen bayerischen Wahlkreisen war klar, wer in den Bundestag einziehen darf

Freising/Rosenheim – Für viele Kandidaten war die Wahlnacht eine Nervenprobe – für Leon Eckert aus Freising aber ganz besonders. Er musste lange bangen, bis das Ergebnis feststand. Erst am frühen Montagmorgen erfuhr der 25-Jährige aus Eching im Landkreis Freising, dass er es in den Bundestag geschafft hat. „Es war ein ständiges Hin und Her“, berichtet er von der Wahlparty. „Einmal sah es so aus, dass ich sicher drin bin, dann hieß es wieder, dass es nicht reicht.“ Entsprechend unruhig hat er geschlafen, als er lange nach Mitternacht ins Bett ging. Zumindest war es eine kurze unruhige Nacht. Denn Eckert ist Feuerwehrmann – und wurde um 5 Uhr durch einen Alarm geweckt. Um kurz vor 6 Uhr piepste sein Handy erneut. Diesmal war es eine Nachricht der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Katharina Schulze – um ihm zu seinem Bundestagsmandat zu gratulieren. „Ich konnte es gar nicht fassen“, erzählt Eckert.

Es war knapp: Der 25-Jährige hat das letzte Mandat der Bayerischen Grünen für den Bundestag ergattert. 17 Sitze gab es, er stand auf Listenplatz 18. Seinen Einzug in den Bundestag verdankt er der Münchnerin Jamila Schäfer, die als erste Grüne ein Direktmandat errang und dadurch für einen weiteren Listen-Kandidaten Platz machte. Eckert nimmt den Wahlnacht-Krimi mit Humor. „Ich habe es nicht so dramatisch bestellt“, sagt er. Jetzt sei seine Freude umso größer. Auch für den Landkreis Freising ist das Endergebnis historisch. Eckert ist der vierte Abgeordnete nach Erich Irlstorfer (CSU), Andreas Mehltretter (SPD) und Johannes Huber (AfD). Bisher hatten es höchstens zwei Kandidaten aus Freising nach Berlin geschafft.

Über die Landesliste der bayerischen Grünen hat auch Tessa Ganserer einen Sitz im Bundestag bekommen. Ihr Name stand auf Listenplatz 13, sie erreichte in ihrem Wahlkreis Nürnberg Nord 22,6 Prozent der Erststimmen und landete damit hinter der CSU auf dem zweiten Platz. Die 44-Jährige sitzt seit 2013 im Landtag und war vor knapp drei Jahren die erste Abgeordnete, die sich als transgeschlechtlich outete. Nun ist sie neben ihrer Parteikollegin Nyke Slawik aus Nordrhein-Westfalen die erste transgeschlechtlichen Politikerin im Bundestag. Sie machte sich bereits gestern auf den Weg nach Berlin.

Die Grünen-Spitzenpolitikerin Claudia Roth holte in ihrem Wahlkreis Augsburg-Stadt 21,5 Prozent der Erststimmen – die Grünen haben in Bayerns drittgrößter Stadt deutlich zugelegt. Für das Direktmandat reichte es aber nicht, das ging mit 28,1 Prozent an Volker Ullrich von der CSU. Claudia Roth zieht über die Landesliste der Grünen in den Bundestag ein. Sie wurde erstmals 1998 ins Parlament gewählt, seit 2013 ist sie Vize-Präsidentin des Bundestages.

Der Rosenheimer Linken-Abgeordnete Ates Gürpinar bekommt einen Platz im Bundestag, obwohl seine Partei mit 4,9 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte. Die Linke hatte aber drei Direktmandate errungen und besetzt entsprechend ihrem Zeitstimmen-Anteils 39 Sitze in Berlin. Der 37-Jährige Gürpinar zieht erstmals in den Bundestag ein.

Die gehörlose SPD-Bundestagskandidatin Heike Heubach hat den Einzug ins Parlament knapp verpasst. Die 1979 geborene Bewerberin aus dem Augsburger Vorort Stadtbergen stand bei der SPD auf Platz 24 der Landesliste, die Sozialdemokraten werden aber nur 23 Listenkandidaten nach Berlin schicken können. Heubach wäre die erste gehörlose Politikerin im Bundestag gewesen. Sie hatte im Wahlkreis Augsburg-Land kandidiert, aber gegen Amtsinhaber Hansjörg Durz (CSU) bei der Direktwahl keine Chance. Durz kam trotz starker Verluste auf 40,6 Prozent der Erststimmen, Heubach landete mit 14,5 Prozent abgeschlagen auf Platz zwei.  mes/mm/mw/lby

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