Die Maske fällt – aber nur in der Schule

von Redaktion

VON DIRK WALTER UND CORNELIA SCHRAMM

München – Die Maske ist ein Thema mit Spaltpotenzial: 200 Eltern haben sich heute vor dem Kultusministerium zu einer Demo angekündigt. „Befreiung von Test, Maske und Impfdruck“, ist ihr Ziel. „Keiner muss so harte Maßnahmen ertragen wie unsere Kinder – werdet laut!“, heißt es in der Einladung. Dagegen wettern andere Eltern im Internet: „Haben Sie nichts gelernt aus Ihrer Wahlniederlage?“, wird Ministerpräsident Markus Söder via Twitter angepampt. „Jetzt werden unsere Kinder aktiv durchseucht.“

In den meisten Bundesländern begann die Schule nach den Sommerferien mit Maske – aus Furcht vor Reiserückkehrern, die das Virus einschleppen könnten. Inzwischen ist in den meisten Ländern die Maskenpflicht wieder aufgehoben. Vereinzelt gibt es sogar noch mehr Erleichterungen. Beispiel Saarland: Dort ist der Maskenzwang in Schulen generell abgeschafft, also auch in den Schulhausgängen und im Pausenhof. Auch an Arbeitsstätten entfällt er, wenn für alle Anwesenden ein 3G-Nachweis vorliegt.

Zwar hat sich die Furcht vor einer massenhaften Infektion durch Reiserückkehrer auch in Bayern nicht bewahrheitet – eine Stichprobe am 22. September erbrachte bei 638 852 Selbsttests von Schülern gerade einmal 189 positive Ergebnisse. Dennoch will in Bayern fast niemand weitergehende Schritte. „Nein, derzeit nicht“, antwortet SPD-Fraktionschef Florian von Brunn auf die Frage, ob er sich weitere Lockerungen vorstellen könne. Auch FDP-Schulexperte Matthias Fischbach ist skeptisch: „Es ist gut, dass die Maske an den Schulen endlich fällt“, sagt er. Schule ganz ohne Maske aber wäre „ein Schritt zu früh“.

Das ist auch Tenor der Union: „Die Masken haben das Ansteckungsrisiko nach den Ferien minimiert“, sagt Bernhard Seidenath, CSU-Gesundheitsexperte im Landtag. „Dass Schulkinder am Sitzplatz keine Maske mehr tragen müssen, hatten wir versprochen. Nicht nur die Erleichterung für die Kinder ist uns da wichtig, sondern auch, Wort zu halten.“ Die Testpflicht aber reiche nicht aus, um die Maskenpflicht im ganzen Schulhaus fallen zu lassen. „Da sind zu viele ungeimpft“, so Seidenath.

Anders sehen das die Grünen: „An Schulen gibt es nicht nur ein Hygienekonzept, sondern jetzt auch regelmäßige Tests“, sagt Ludwig Hartmann, Fraktionsvorsitzender der Landtags-Grünen. „Wenn in Diskotheken mit 3G-Konzept ohne Maske gefeiert werden darf, warum sollen wir da nicht auch die Kinder von der Maske befreien?“ Und zwar nicht nur am Sitzplatz, sondern auch im Gang. „Das sind wir den Kindern schuldig, sofern unser Hauptaugenmerk weiter auf den PCR-Pooltests liegt. Wenn im Winter die Zahlen durch die Decke gehen, müssten wir nachjustieren. Jetzt nicht“, so Hartmann.

Und was ist mit den anderen Bereichen des öffentlichen Lebens? Die FDP fordert ähnlich wie die Freien Wähler möglichst schon zum Tag der Deutschen Einheit einen „Freedom Day“ – an die Stelle der Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr oder im Einzelhandel müsse Eigenverantwortung treten. Wer sich mit Maske schützen wolle, könne das weiterhin freiwillig tun, argumentiert die FDP. Auch die Grünen fordern mehr Eigenverantwortung: „Zwischen einer vollgestopften U-Bahn und einem leeren S-Bahnsteig gibt es einen Unterschied“, sagt Hartmann. Er will kleinteiligere Regeln am Arbeitsplatz. Wie nah arbeiten die Angestellten zusammen? Ist es immer das gleiche Team? Gibt es viel Kundenkontakt? Das könne jeder Arbeitgeber selbst klären und daraus seine eigene Strategie entwickeln.

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