Der Hafer ist zurück

von Redaktion

VON DOMINIK GÖTTLER

München/Ustersbach – Es war die Frage, die wohl jeden Landwirt umtreibt, die Markus Zott auf dem Hafer brachte. Wie mache ich den Betrieb fit für die nächste Generation? Zott, 28 Jahre, Junglandwirt aus Ustersbach im Landkreis Augsburg, hatte den Betrieb der Eltern mit 200 Milchkühen übernommen – und grübelte über einen zusätzlichen Betriebszweig neben der Milch. Da kam er auf die Haferdrinks, die neuerdings in nahezu jedem Supermarkt immer prominenter neben der H-Milch stehen. Während andere die pflanzliche Konkurrenz verteufelten, sah Zott eine Chance. Denn einen rein bayerischen Haferdrink fand er nirgends. Also machte er ihn selbst.

Hafer und Dinkel sind die beiden Trendgetreidesorten der vergangenen Jahre in Bayern. Beim Hafer steigt die Anbaufläche seit 2019 wieder kontinuierlich an – von gut 20 000 Hektar auf über 35 000 Hektar im diesem Jahr. Der Dinkelanbau ist ebenfalls explodiert, von knapp 24 000 Hektar im Jahr 2017 auf fast 63 000 Hektar in diesem Jahr, wie Zahlen der Landesanstalt für Landwirtschaft zeigen. Immer mehr Bäcker setzen wegen der gestiegenen Nachfrage auf Dinkelprodukte. Und der Hafer, der früher vor allem als Tierfutter genutzt wurde und dessen Anbau in Bayern lange rückläufig war, landet heute im Porridge oder zum Haferdrink verarbeitet als pflanzlicher Milchersatz auf dem Frühstückstisch.

Seit März steht Zotts bayerischer Haferdrink in den Regalen der großen Supermarktketten – im ganzen Freistaat und teilweise darüber hinaus. „Ich habe mir gedacht, warum soll ich die Wertschöpfung ausschließlich der Industrie überlassen, die den Hafer häufig von Süditalien bis nach Belgien fährt, um ihn dann verarbeitet in Bayern zu verkaufen.“ Also entwickelte er gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut eine Rezeptur aus Hafer, Wasser und einer Prise Salz. 50 Landwirte liefern den Hafer. Eine Mühle in Mühldorf am Inn schält und mahlt das Getreide, danach übernimmt ebenfalls ein bayerisches Unternehmen Mischung und Verpackung des Haferdrinks. „Alles findet in Bayern statt, zertifiziert mit dem Siegel Geprüfte Qualität Bayern“, sagt Zott.

Während unter Milchbauern gerne auf die pflanzlichen Milchalternativen geschimpft wird, weil sie den Absatz des eigenen Produkts gefährden könnten, sagt Zott, dass er nur positive Rückmeldungen bekommen habe. „Unter den Landwirten, die mitmachen, sind auch viele Milchviehhalter. Denn der Hafer ist eine Gesundungsfrucht, sie hilft der nächsten Kultur auf dem Acker.“ Außerdem könne man die Nachfrage ja nicht wegdiskutieren. „Wenn ich es nicht mache, dann macht es eben ein anderer.“

In die Geschäfte geht der bayerische Haferdrink mit einer Preisempfehlung von 1,99 Euro pro Liter. Teurer als Milch, was auch daran liegt, dass der Haferdrink als verarbeitetes Produkt gilt, für das 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig werden. Bei der Milch liegt der Satz nur bei sieben Prozent. Bisher laufe der Verkauf gut, sagt Zott. „Jetzt gilt es, unser Produkt so zu etablieren, dass es im Handel bleibt.“ Beim Haferanbau, da ist sich Zott sicher, ist die Spitze derweil noch lange nicht erreicht. „Der wird weiter steigen.“ Lange habe die fehlende Möglichkeit zur Veredelung den Anbau unattraktiv gemacht. „Haferschleim wollte keiner haben.“ Doch jetzt ist die Haferflocke wieder begehrt – egal, ob flüssig oder fest.

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