SPORT IM ALTER – WAS MEDIZINER KARLHEINZ ZEILBERGER RÄT
Körperliche Aktivität ist gesund – egal in welchem Alter. Allerdings sollte man auf einige Dinge achten. Auf welche, erklärt der Münchner Sportmediziner Dr. Karlheinz Zeilberger.
Wenn man in höherem Alter mit Sport beginnen möchte: Worauf muss man achten?
Zuerst einmal: Es ist nie zu spät, mit Sport anzufangen. Aber man muss sicherstellen, dass man nichts kaputt macht oder verschlechtert. Deshalb ist es wichtig, vorher beim Arzt einen Check durchführen zu lassen. Er kann bis dato nicht erkannte Vorerkrankungen ausschließen. Bluthochdruck, Diabetes oder hohes Cholesterin zählen zu den Risikofaktoren, die schnell dazu führen können, dass was passiert. Allgemein sollte man sich Sportarten aussuchen, die Spaß machen. Vielleicht etwas, das man früher schon gern gemacht hat.
Was macht der Arzt beim Check? Beim Basis-Check-up, der ab 35 alle drei Jahre gemacht werden kann, erkennt der Hausarzt im Gespräch mit dem Patienten, ob beispielsweise ein Bewegungsmangel vorliegt. Zudem werden Blutdruck gemessen, Herz und Lunge abgehört, Urin und Blut untersucht. Der Sportmediziner führt ein Belastungs-EKG durch, bei dem eine koronare Herzerkrankung festgestellt werden kann. Er kann dem Patienten auch geeignete Sportarten empfehlen, ihn über Häufigkeit und Intensität des Sports beraten und über Risiken aufklären.
Müssen auch Personen, die schon immer Sport treiben, im Alter achtsam werden? Ja. Mit zunehmendem Alter lässt häufig die Koordination und die Flexibilität nach. Deshalb empfehle ich, die Finger von sogenanntem Schnellkraftsport wie Sprints oder von Übungen mit Maximalkraft zu lassen.
Sportler in hohem Alter – nimmt das zu? Es werden immer mehr. Jedoch ist die Grundvoraussetzung, um fit zu bleiben, jahrelanges Training. Man kann ohne vorausgegangenes regelmäßiges Training nicht ins Wettkampfgeschehen einsteigen. Davor warne ich. Der Körper ist in jeder Altersklasse trainierbar, aber angepasst.
Was sind Risiken und Vorteile von Sport in höherem Alter?
Neben möglichen Verletzungen stellen nicht erkannte Krankheiten immer ein Risiko dar. Aber regelmäßiger Sport führt neben einer Verbesserung der Risikofaktoren von Herz-Kreislaufkrankheiten auch zu einem stärkeren Immunsystem. Man wird stressresistenter, die Koordination wird besser und man kann Stürzen besser vorbeugen.
Welche Sportarten empfehlen Sie, von welchen raten Sie eher ab?
Ich empfehle Wandern, Skilanglauf oder Radeln. Schwimmen sollte nur, wer es wirklich gut kann, ansonsten kann die falsche Kopfhaltung zu Wirbelsäulenbeschwerden führen. Ideal ist moderates Krafttraining, auch mit Thera-Bändern. Oder Übungen, bei denen große Muskelgruppen beansprucht werden. Nicht so gut eignen sich Sportarten mit viel Körperkontakt, weil das Verletzungsrisiko dabei groß ist.
Wie häufig sollte Sport getrieben werden? Regelmäßig, also das ganze Jahr über. Neueinsteiger beginnen mit drei Mal fünf Minuten alle zwei bis drei Tage. Es ist besser, öfter kurz zu trainieren und das Training dann aufzubauen. Die allgemeine Empfehlung lautet aber vier bis fünf Mal pro Woche für mindestens 30 Minuten. Dabei sollte der größte Teil auf Ausdauersport fallen, der Rest auf eine Kombination aus Krafttraining, Beweglichkeit und Koordination. Eine medizinische Beratung ist wichtig, da nur wenige Leute in diesem Alter keine Medikamente nehmen. Wenn man Blutverdünner nimmt, sollte man Sportarten mit einem erhöhten Sturzrisiko ausschließen. Betablocker zum Beispiel haben Auswirkungen auf die Herzfrequenz.
Sollten Senioren unter Anleitung trainieren? Besonders Anfänger sollten eher nicht ohne Anleitung trainieren. Es ist wichtig, dass ihnen gezeigt wird, wie es richtig geht. Außerdem kann Gruppendynamik und Spaß hilfreich sein, um dranzubleiben. Die Volkshochschule oder Kurse in einem Fitnessstudio sind gute Anlaufpunkte für Anfänger.
Interview: Elena Royer