Liebe auf den ersten Blick war es offenkundig nicht, als der Dichter Heinrich Heine sich im November 1827 für ein knappes Jahr in München eingemietet hat. Wenige Monate zuvor war sein „Buch der Lieder“ erschienen und hatte ihm einen gewissen literarischen Ruhm eingebracht. Aber deshalb war er nicht an die Isar gekommen, mit seinen dreißig Jahren war der frischgebackene Doktor der Rechte auf Stellensuche. Von Migräne und Rheuma geplagt, konnte er sein Pensionszimmer indes kaum verlassen und klagte: „Es sieht hier so aus wie ich es erwartete, nemlich (!) herzlich schlecht! … Das Clima hier tödtet mich!“. Alles in allem zwar schlechte Voraussetzungen für eine juristische Karriere in München, aber eine angemessene Stimmung für bissige Satire und bittere Karikatur. Die Münchner Frauenkirche nennt Heine „stiefenknechtisch“ und „barbarisch“, die Schlösser „haarbeutelig“, überall wittert er „intriguierende Pfaffen“! Mit dem Herrscherhaus der Wittelsbacher verbindet ihn eine Art Hassliebe. Das unglückliche Wirken von König Otto von Griechenland wird mit dem Worten „Der kriegte den Durchfall zu Athen und hat dort besudelt sein Thrönchen!“ aufgespießt. Für den kunstsinnigen Ludwig I. hegt Heine eine gewisse Sympathie, macht ihn andererseits zur permanenten Zielscheibe seines Spottes. In seinen vergifteten „Lobgesängen“ nennt er den Monarchen einen „angestammelten König“, einen „Kunst Eunuchen“ und „hässlichen Thoren“. Wehe, wenn das gekrönte Haupt gar eigene lyrische Ambitionen pflegt. Dann lässt die Replik Heines nicht lange auf sich warten: „Herr Ludwig ist ein großer Poet,/ Und singt er, so stürzt Apollo/ Vor ihm auf die Kniee und bittet und fleht:/ Halt ein, ich werde sonst toll, Oh!“. Kein Wunder, dass sich der bayerische Monarch wenig geneigt sah, dem Düsseldorfer Juristen Heine eine Stelle in der Staatskanzlei anzubieten. Im Juli 1828 ist dieser unverrichteter Dinge wieder abgereist. Dichterfreundschaft haben sie nicht geschlossen, Ludwig und er. Aber die gibt es ja überhaupt selten…