Der Mittelschüler und sein Pate

von Redaktion

München – Eines will Leon Sandner gleich mal klarstellen. „Nachhilfe gebe ich nicht.“ Also: Wenn Mohamed Probleme mit dem Mathestoff hat, mit Prozent- und Zinsrechnung zum Beispiel, was ja Bestandteil des Lehrplans in der 9. Klasse Mittelschule ist, dann müsste er sich jemand anderes suchen. Obwohl Leon, der an der TU Betriebswirtschaftslehre studiert, ihm das zweifellos erklären könnte. Aber es ist nun mal nicht sein Job als Mentor.

Treffen in einem Münchner Café. Mohamed ist 14, seine Familie stammt aus Ägypten, er ist aber in München geboren und eigentlich nicht schüchtern. Er saugt einmal am Glashalm mit Orangensaft und erzählt über sein Praktikum in einem Kindergarten. Das ist gut gelaufen, für die Kleinen war er der Held. Und vielleicht macht er noch ein zweites Praktikum woanders. Mohamed hat ein klares Ziel vor Augen: Er will jetzt den „Quali“ schaffen, „das ist schon sehr wichtig“. Und danach den M-Zug der Mittelschule besuchen. Ziel: die mittlere Reife.

Leon begleitet Mohamed auf seinem Weg durch die Mittelschule, vermittelt hat ihn „Rock your Life“. Das ist ein „Sozialunternehmen“, das sich hauptsächlich durch Spenden finanziert und Mentoren an Schüler vermittelt. Mit Seminaren und Kennenlern-Abenden wird das Mentorenprogramm angekurbelt. Im vergangenen Jahr waren es 24 Mentoring-Paare, jetzt soll es auf 75 Paare an zehn Schulen im Großraum München gesteigert werden. Zu dem Ehrenamt kam Leon eher zufällig. Der Student aus Heidelberg, der nun in einer 7er-WG wohnt, hat in seiner Schulzeit auch mal die Dinge schleifen lassen. „Engagiert habe ich mich eigentlich überhaupt nicht.“ Nach dem Abitur hatte er erst mal keinen Plan, was er tun sollte. Als er dann nach München kam, fiel ihm ein, dass es manchem Schüler vielleicht genauso geht.

„Rock your life“ vermittelte ihm Mohamed, der sich mit anderen Kumpels seiner Klasse bei der Organisation gemeldet hatte. Seit November vergangenen Jahres treffen sie sich mal mehr, mal weniger regelmäßig.

Praktische Hilfe gibt es auch. In der Hochphase der Corona-Pandemie saß Mohamed zuhause fest – Homeschooling. Einen Laptop hatte er aber nicht. „Ich habe alles am Handy gemacht – mühsam“, erinnert er sich. Leon hat sich dann eingesetzt, dass er einen Laptop bekommt. Zuletzt hat Leon seinem Mentee bei der Bewerbung geholfen, um das Praktikum zu bekommen. Zugute kommt Leon, dass er nebenbei filmt, Videos für Firmen dreht und sogar eine eigene kleine Firma gegründet hat. Das interessiert auch Mohamed. „Wir lassen auch mal eine Drohne steigen“, und zu Filmaufnahmen durfte er auch mit – sogar als Nebendarsteller.

Mohamed findet den Leon einfach prima. „Wir sind ja schon sehr verschieden“, sagt er. Klar, Leon studiert und er ist viel älter. „Aber alles mit ihm macht irgendwie Spaß.“

VON DIRK WALTER

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