Heidelberg/München – Wegen neuer Gutachten ist ein für die Absendung explosiver Postsendungen angeklagter Mann aus der Untersuchungshaft gekommen. Die neuen Erkenntnisse hätten zu einer neuen Gesamtbewertung geführt – es bestehe kein dringender Tatverdacht mehr, sagte eine Sprecherin des Landgerichts Heidelberg. Eines der Gutachten sei Gegenstand der Verhandlung am Freitag kommender Woche. Ein Urteil sei Mitte November zu erwarten. Unter den von der Verteidigung eingebrachten Expertisen ist laut „Rhein-Neckar-Zeitung“ ein sogenanntes anthropologisches Gutachten. Dabei könne ein Experte anhand von Körpermerkmalen beweisen, dass das Video aus einer Überwachungskamera nicht den Beschuldigten zeige. „Er ist froh, nach so langer Zeit wieder auf freiem Fuß zu sein“, sagte der Rechtsanwalt des 66-Jährigen, Steffen Lindberg. Sein Ziel sei ein Freispruch seines Mandanten.
Beim Prozessauftakt Anfang September hatte der gelernte Elektriker aus dem Raum Ulm die Vorwürfe bestritten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, gefährliche Körperverletzung und versuchte schwere Körperverletzung vor. Sie ging bislang davon aus, dass er die Sprengvorrichtungen selbst gebaut hat. Der Rentner habe Geld von den Firmen erzwingen wollen. Ein Paket, das an den Babynahrungshersteller Hipp in Pfaffenhofen an der Ilm adressiert war, wurde in einem Paketverteilzentrum am Flughafen München abgefangen. lby