München – Eine Milliarde Euro im Jahr sieht das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz für die Förderung des Nahverkehrs vor. Das klingt nach viel. Doch für ganz Deutschland sei die Summe viel zu dürftig, sagte Reiter bei dem Festakt im U-Bahnhof Kieferngarten. Sollte sich nicht grundlegend etwas ändern, so sein Appell an die künftige Bundesregierung, „dann werden wir in München keine weitere U-Bahn bauen können“. Das aber sei unumgänglich, um die Klimaziele zu erreichen, fuhr Reiter fort. „Wir werden ohne ein stabiles U- und S-Bahn-Netz eine Verkehrswende, wie sie gern in Sonntagsreden proklamiert wird, nicht hinbekommen.“ Auch nicht, so ergänzte der Rathauschef mit einem Seitenhieb auf den grünen Koalitionspartner, „mit den geliebten Fahrrädern“. Reiters Fazit: „Ohne Moos nix los. Wir müssen in Berlin deutlich mehr Geld lockermachen.“ Wobei er den Freistaat nicht aus seiner Verantwortung entlassen wolle: Auch der habe habe den Nahverkehr schon einmal großzügiger gefördert.
Ein weiteres Problem sind laut Reiter die Planungszeiten. Die müssten kürzer werden, forderte der Oberbürgermeister mit einem wehmütigen Rückblick auf die Anfangsjahre der U-Bahn. „Sieben Jahre zwischen der Idee und der ersten Fahrt der U6 – so lange dauert heute allein das Planfeststellungsverfahren“, sagte Reiter. Die Folge: Kosten explodieren, und oft ist die Technik schon veraltet, wenn sie endlich in Betrieb geht.
Helmut Schütz, Amtschef von Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU), kritisierte die starren Förderrichtlinien, deretwegen man bei der zweiten S-Bahn-Stammstrecke ein bis zwei Jahre mit Rechenspielen verloren habe. „Das ist lächerlich!“, sagte Schütz. Immerhin solle es bald eine neue Berechnungsgrundlage geben. Darauf hofft auch MVG-Chef Ingo Wortmann. In ihrer jetzigen Form habe sich die sogenannte standardisierte Bewertung zum „Verhinderungsinstrument für volkswirtschaftlich sinnvolle Verkehrsprojekte“ entwickelt.
50 Jahre nach der ersten Fahrt der U-Bahn, so Wortmann, „müssen wir heute sehr intensiv daran arbeiten, das System zu erhalten“. Diese Grunderneuerung koste dreistellige Millionenbeträge, die glücklicherweise inzwischen vom Bund gefördert würden.
Doch mit Zuschüssen für Investitionen ist es laut Wortmann nicht getan. Auch der Betrieb der U-Bahn müsse bezuschusst werden. Der MVG-Geschäftsführer verwies auf einen Beschluss der Verkehrsministerkonferenz, den entsprechenden Fördertopf jedes Jahr um eine Milliarde Euro aufzustocken. Eindringlich appellierte er an die Bundespolitik, dies in den bevorstehenden Koalitionsverhandlungen zu berücksichtigen.
Ein wenig feierlich wurde es dann doch noch auf dem Bahnsteig im Kieferngarten: Neben einem fast 50 Jahre alten A-Zug aus den ersten Betriebsjahren – laut Reiter ein Beispiel dafür, wie nachhaltig in München gewirtschaftet wird – fuhr ein Zug der aktuellen Baureihe C2 im Retro-Design ein: Statt Blau und Silbern wie heute üblich trägt der vordere Wagen die Farben der ersten Münchner U-Bahn-Züge: Elfenbein und „Münchner Straßenbahn-Blau“. Zwei dieser Züge mit der Aufschrift „50 Jahre Münchner U-Bahn“ werden nun ein Jahr lang im Untergrund der Stadt im Einsatz sein. Sie erinnern an den 19. Oktober 1971 – jenen Tag, an dem die erste U-Bahn in München auf der Strecke zwischen Kieferngarten und Goetheplatz in Betrieb ging. Es war der Auftakt zu einer Erfolgsgeschichte, die München bis heute in Bewegung hält.