München – Seit Jahren sprießen sogenannte Medizinische Versorgungszentren auch in Bayern wie Pilze aus dem Boden. Was zunächst gut klingt, macht dem Staat auch Sorgen. Denn hier steht oft die Rendite im Fokus. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek warnt vor einem zu großen Einfluss privater Finanzinvestoren in der ambulanten Gesundheitsversorgung. „Medizinische Versorgungszentren (MVZ) bergen das Risiko, dass renditeorientierte Investoren Einfluss auf die Gesundheitsversorgung nehmen. Aber Profit darf nie die treibende Kraft hinter gesundheitlichen Angeboten sein“, sagte der CSU-Politiker in München.
Die Bundesregierung müsse rasch handeln, da die aktuellen Schutzmaßnahmen nicht ausreichten. „Wir brauchen größtmögliche Transparenz. Der Bund ist gefordert, dafür zu sorgen, dass Inhaber- und Trägerstrukturen der MVZ öffentlich ersichtlich sind“, sagte Holetschek, der noch bis zum Jahresende Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz ist.
Denkbar sei, ein MVZ-Register einzuführen und eine Kennzeichnung etwa auf dem Praxisschild verpflichtend zu machen. „Bisher sind die entsprechenden für Ärztinnen und Ärzte geltenden Vorschriften nicht unmittelbar auf die Kapitalgesellschaften der Träger anwendbar.“
Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) gibt es alleine in Bayern im vertragsärztlichen Bereich mittlerweile 860 MVZ (Stand 1. Oktober 2021). Allein seit 2015 ist die Zahl den Angaben zufolge um 447 gestiegen (plus 108 Prozent). Im vertragszahnärztlichen Bereich gibt es vergleichbare Entwicklungen: Seit 2015 ist nach Angaben der KVB die Zahl zahnärztlicher MVZ in Bayern von 87 auf 219 gewachsen (plus 152 Prozent, Stand September 2021).
Im Bundesvergleich weist Bayern damit eine erhöhte MVZ-Dichte auf. „Die MVZ leisten grundsätzlich einen wichtigen Beitrag in der Versorgung.“ dpa