München/Creußen – Die Ampel-Sondierer in Berlin sind vorgeprescht, jetzt ziehen die Freien Wähler im Windschatten nach. Gestern stellten Parteichef und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und Umweltminister Thorsten Glauber ihre Pläne für den Windkraftausbau in Bayern vor, nachdem Aiwanger zuletzt gegenüber unserer Zeitung bereits 300 neue Windräder in Bayern ins Spiel brachte. Gestern machte er deutlich, dass er diese Anlagen vor allem im Wald errichten lassen möchte.
Während im Berliner Sondierungspapier das Ziel von zwei Prozent der Landesfläche für die Windkraft ausgegeben wurde, hält Aiwanger in Bayern sogar drei Prozent der Fläche geeignet für den Bau einer Windkraftanlage. Die potenziellen Flächen (Eignungskriterien: 1250 Meter Abstand zur nächsten Siedlung und Windstärke von 4,5 Metern pro Sekunde oder mehr in 130 Metern Höhe) sind auf einer Karte auf der Internetseite des Wirtschaftsministeriums einzusehen, in Oberbayern sind diverse Standorte in den Landkreisen rund um München dabei.
Doch Windstärke und Abstandsregel sind das eine. „Dann muss eben noch vor Ort die Akzeptanz hergestellt werden“, sagte Aiwanger gestern bei einem Ortstermin an einem Windrad in Creußen (Landkreis Bayreuth). Gleichwohl kritisierte Aiwanger Diskussionen auf bundespolitischer Ebene, wonach jedes Land künftig zwei Prozent seiner Landesfläche für die Windenergie zur Verfügung stellen müsste. „Das ist mir zu schablonenhaft“, sagte Aiwanger.
Unabhängig von der noch laufenden Debatte der möglichen neuen Bundesregierung hält es Aiwanger für einen pragmatischeren Ansatz, der Windenergie neues Leben einzuhauchen. „Diskutiert ist genug und die Diskussion auf hoher theoretischer Ebene läuft immer mehr ins Leere“, sagte er und schlug erneut vor, in Bayern zunächst in Wäldern den Bau voranzutreiben. Die Zustimmung für die Windkraft nehme zu, „weil man ja auch die enorme Wirkung dieser neuen Windräder vor allem sieht“.
Konkret rechnet Aiwanger hier mit rund 300 geeigneten Standorten, davon etwa zwei Drittel in Privatwäldern und ein Drittel in den Staatsforsten, auf denen teils auch mehrere Anlagen „relativ ohne Problem“ gebaut werden könnten. Im Wald seien die bis zu 250 Meter hohen Anlagen besser versteckt und stießen so auf mehr Akzeptanz.
Die CSU hatte bislang zu Aiwangers Vorstoß geschwiegen, gestern meldete sich nun Forstministerin Michaela Kaniber zu Wort – und zwar wenig begeistert. Sie warne davor, „die bayerischen Wälder unkontrolliert mit Windrädern voll zu pflastern“, teilte sie mit. „Pauschale Ansätze, einfach möglichst viele Windräder in Bayerns Wäldern zu errichten, sind schöne Worte ohne wirkliche Lösung. Wer die heimischen Wälder dabei einfach hinter energiewirtschaftliche Interessen zurückstellt, opfert unsere Wälder und damit unsere Heimat.“ Der Ausbau funktioniere nur mit den Bürgern vor Ort.
Umweltminister Glauber warnte davor, Interessen des Arten- und Naturschutzes gegen den Klimaschutz auszuspielen. Sollten sich jedoch „konkurrierende Interessen“ gegenüberstehen, müsse am Ende der Klimaschutz Vorrang haben.
Der Landtags-Opposition gehen die Pläne indes nicht weit genug. Sowohl SPD wie Grüne forderten erneut die Abschaffung der umstrittenen 10H-Abstandsregelung. „Wir brauchen 150 Windkraftanlagen pro Jahr, um einen entscheidenden Beitrag zum Gelingen der Energiewende zu leisten“, sagte Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann unserer Zeitung. Und auch die SPD forderte, die Staatsregierung müsse endlich ihren landespolitischen Gestaltungsspielraum ausschöpfen, statt auf die Pläne der künftigen Bundesregierung zu warten.