Flughafen will mit USA-Flügen durchstarten

von Redaktion

VON DIRK WALTER

München – Schon die Anzeigetafel in der Abflugebene des Terminals 2 symbolisiert die Rückkehr zu einer gewissen Normalität: Gleich vier Flugzeuge starten um die Mittagszeit Richtung USA – nach Miami, Washington, Los Angeles und Charlotte. Und am Nachmittag stehen noch Boston und New York/Newark auf dem Flugplan.

Mareike Pophanken hat lange darauf gewartet. Mit ihrem Freund Bendix Hartwig sitzt sie vor dem Gate AH6 46, wartet auf ihren Flug nach Los Angeles. In der Früh sind sie aus Hamburg hergeflogen. Eigentlich war die Reise im März 2020 geplant, erzählt sie. Doch dann kam die Corona-Pandemie – und das Paar musste seine Reise lange verschieben. „Es war Zufall, dass es mit der Buchung schon am ersten Urlaubstag geklappt hat.“

Die Lufthansa hat lange auf den Tag X gewartet – den Tag, an dem die USA ihre Einreisesperre für Touristen wieder aufhebt. Jetzt ist es so weit. Lächelnd verteilen Stewardessen Brezen an die USA-Reisenden. Vor den Flaggen von Deutschland, den USA und Bayern hat die Lufthansa ein Rednerpult aufgebaut, damit jeder Passagier mit USA-Ziel weiß, dass er an einem besonders Tag startet. Die Freude ist groß – auch bei den Offiziellen. „Dieser 8. November“, sagt Flughafen-Chef Jost Lammers, „wird als Wendepunkt im Gedächtnis bleiben.“ Er prognostiziert großen „Nachholbedarf“ im US-Tourismus. Die Lufthansa startet zunächst mit 44 Flügen wöchentlich über den Atlantik, bis Dezember sollen es 50 sein, sagt der Münchner Standort-Chef Stefan Kreuzpaintner. Am ersten Tag starten 2400 Passagiere. Insgesamt rechnet Flughafenchef Lammers bis Dezember mit 100 Flügen in der Woche mit Ziel Nordamerika. Dafür soll dann auch ein Teil des derzeit stillgelegten Satellitenterminals wieder in Betrieb genommen werden. Denn neben Lufthansa fliegen (im kleineren Maßstab) auch United Airlines und Delta Airlines wieder in die USA.

Für den Flughafen ist das USA-Geschäft ein wichtiges Standbein, um im Interkontinental-Geschäft endlich wieder Fuß zu fassen. Noch hat der Airport nicht zu alter Größe zurückgefunden, die Passagierzahlen betragen rund 50 Prozent des Vor-Corona-Niveaus von 2019. Es fehlen weiterhin wichtige Ziele im Flugplan: China, Japan, Indien – und auch die Strecken nach Johannesburg und Sao Paulo. Doch in die USA – das geht jetzt wieder, wenn auch nur für doppelt geimpfte Passagiere. Auch der neue Münchner US-Generalkonsul Timothy Liston weiß um die Bedeutung, er ist zum Re-Start der USA-Flüge raus zum Airport gefahren und hält ebenfalls eine Rede, betont die Bedeutung für die Wirtschaft: Deutschland ist drittgrößter Handelspartner der USA. Seit 1996 hat sich die Zahl der US-Firmen mit einem Standort in Bayern auf über 1000 verdreifacht.

Auf dem Flug-Vorfeld an der Treppe zum Airbus A 350-900, der nach der Stadt „Karlsruhe“ getauft ist, steht Flugkapitän Thomas Jahn. Der „Thomas“, wie ihn alle nennen, ist ein erfahrener Pilot der Lufthansa. Wie oft er in die USA gejetet ist, weiß er nicht. „Wohl hunderte Male“, sagt er. Aber auch für ihn ist der Flug LH 460 etwas Besonderes, wenigstens ein bisschen. „Miami, sagt er, „da war ich schon länger nicht mehr.“

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