Bad Tölz – Einsamkeit, Kontaktbeschränkungen, Homeschooling: Besonders Kinder und Jugendliche leiden unter den Folgen der Pandemie. Um Betroffene aus dem emotionalen Loch zu holen, bietet die Sportjugendherberge Bad Tölz gemeinsam mit der Sportkinesiologie ein deutschlandweit einzigartiges Trainingsprogramm an: Kinsporth. Eine Kombination aus Kinesiologie, Sport und Orthopädie.
„Die Jugendlichen sollen tägliche kleine Übungen und Verhaltensweisen erlernen, um die soziale und emotionale Kompetenz wieder zu bekommen und zu festigen“, erklärt Werner Klingelhöffer vom Ausbildungszentrum für sportkinesiologische Trainingsmethoden. „Durch geistige und körperliche Übungen wollen wir die rechte Gehirnhälfte fördern“, sagt er. Gerade diese sei während der Corona-Krise und des eingeschränkten bis fehlenden sozialen Kontakts vernachlässigt worden. Die Folge: Angst, Wut und Unlust machen sich breit. „Die Kinder und Jugendlichen kommen dann ins Schludern“, sagt Klingelhöffer. Mit seinem Trainingsprogramm möchte er die Aufmerksamkeit und emotionale Intelligenz der Teilnehmer stärken.
Seit 15 Jahren bietet Klingelhöffer das Training zum Stressabbau und zur Steigerung der Leistungsfähigkeit an. Für eine baden-württembergische Sportabiturklasse hat Klingelhöffer sein Programm extra auf die Folgen der Corona-Krise zugeschnitten. Neben einem zweistündigen körperlichen Training gab es für die Schülerinnen und Schüler auch einen theoretischen Teil mit Tipps für den Alltag, wie Atemtechniken, Aufstehhilfen und Meditationsübungen.
Der Haken: Die Kursteilnehmer mussten das Training aus eigener Tasche bezahlen. Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung unterstützt zwar finanziell Projekte, die Betroffene bei der Bewältigung der Corona-Folgen helfen sollen, doch Klingelhöffers Training fällt nicht darunter. „Wir passen nicht in das Schema“, sagt Klingelhöffer. Das ärgert den Orthopäden. Er wünscht sich, dass die Behörden seine Trainingsmethoden anerkennen und Hürden bei der Antragstellung abbauen. Im Zentrum solle schließlich, so Klingelhöffer, das Wohlergehen der Kinder und Jugendlichen stehen. VERENA MÖCKL