München – In Bayerns Impfzentren wird der Impfstoff knapp. Die Nachfrage sowohl nach Erst- als auch nach Drittimpfungen habe in den vergangenen Tagen stark zugenommen, berichtet ein Sprecher der Regierung von Oberbayern. Wenn es vereinzelt größere Nachfragen gibt, kann die Regierung als Koordinationsstelle Impfstoff umverteilten. „Die Reserven gehen allerdings flächendeckend zur Neige“, berichtet der Sprecher.
Vor den Münchner Impfzentren in Riem und auf der Theresienwiese bildeten sich diese Woche lange Warteschlangen. Obwohl das Personal aufgestockt war, mussten Impfwillige bis zu vier Stunden warten. Am Mittwochabend mussten einige Impfwillige sogar weggeschickt werden. Es kam zu Beschimpfungen und Beleidigungen des Personals, sodass die Polizei anrücken musste. Die Stadt München meldete gestern: „Aufgrund der stark gestiegenen Nachfrage nach Erst- und Auffrischungsimpfungen wird der Impfstoff knapp.“ Auf die Bitte um Nachlieferungen hatte das Impfzentrum in Riem nur Absagen erhalten, da in den oberbayerischen Lagern keine Reserven mehr verfügbar seien. Das bestätigt auch der Regierungssprecher.
Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) betont jedoch, dass es keine generellen Probleme bei der Impfstoff-Beschaffung gebe. Die Engpässe basieren auf logistischen Problemen, erklärte er. Aktuell bestellen die Impfzentren und Ärzte die Impfdosen über den Großhandel mit zwei bis drei Wochen Vorlauf. Ab übernächster Woche sollen diese Bestellungen wöchentlich stattfinden, um eine bessere Planung zu ermöglichen.
Mit Nachschub-Problemen kämpfen gerade viele Regionen. Landsberg musste deswegen den geplanten Sonderimpftag am Wochenende absagen (wir berichteten). Auch der Starnberger Landrat Stefan Frey (CSU) hatte versucht, für sein Impfzentrum wegen der gestiegenen Nachfrage mehr Impfstoff aufzutreiben. Für diese Woche und eine geplante Sonderaktion ist ihm das gelungen, berichtet er. „Für die nächste Woche müssen wir schauen.“
Der Münchner Landrat Christoph Göbel (CSU) hat dasselbe Problem – und ist verärgert. Die Impfdosen reichen noch bis zum Wochenende, berichtet er aus seinem Landkreis. In den kommenden Wochen stehen 10 000 Booster-Impfungen wöchentlich an. Sowohl über die Apotheken als auch über die staatliche Versorgungsschiene erhalte der Landreis zu wenig Impfdosen. „Wenn nichts nachgeschoben wird, wirds kritisch“, betont Göbel. Er kann den Mangel nicht nachvollziehen. „Das war monatelang absehbar“, schimpft er. „Wir brauchen den Impfstoff. Ich erwarte, dass Bund und Land uns damit versorgen.“ kwo/ska/ike/nik