Sprunghafter Anstieg bei Impfungen

von Redaktion

VON KATRIN WOITSCH

München – Herbert Wiedemann hat viel zu tun – und das freut ihn. Er ist BRK-Kreisgeschäftsführer im Landkreis Rottal-Inn – der Region, die seit Tagen die bundesweit höchsten Infektionszahlen meldet. Am Freitag lag die Inzidenz dort bei 1156. Das spüren die Krankenhäuser – aber auch die Impfzentren. Die Nachfrage sei deutlich gestiegen, berichtet Wiedemann. „Vor ein paar Wochen haben wir noch etwa 50 Menschen pro Tag geimpft“, berichtet er. Inzwischen seien es 1500 pro Woche. Und es wären vermutlich noch mehr, wenn es mehr Personal und mehr Impfstoff gäbe. „Wir wollen schnellstmöglich auf 2000 Impfungen pro Woche hochfahren“, sagt er. 60 Prozent der Menschen im Rottaler Impfzentrum werden zum ersten Mal geimpft. Die Impfquote im Landkreis war mit 52 Prozent bisher sehr niedrig. Schon deshalb ist Wiedemann froh, dass er und seine Kollegen nun so viel zu tun haben. „Das Impfen ist die einzige Chance, um die Infektionszahlen einzudämmen.“

Nicht nur in den Regionen mit besonders hohen Inzidenzen ist der Andrang bei den Impfzentren gerade groß. Die Nachfrage sei in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen, berichtet das Gesundheitsministerium. Vergangenen Mittwoch wurden bayernweit 14 040 Erstimpfungen an einem Tag gemeldet. Im Oktober lag der Tages-Höchstwert bei 11 250, berichtet ein Ministeriumssprecher. Auch in der Wochen-Bilanz zeigt sich die gestiegene Nachfrage: In der letzten Oktoberwoche ließen sich in Bayern 37 682 Menschen zum ersten Mal impfen. In der ersten Novemberwoche waren es 54 630. Auch die Zahl der Auffrischungsimpfungen habe deutlich zugenommen, berichtet das Ministerium.

In vielen bayerischen Impfzentren führte das in dieser Woche zu langen Warteschlangen (wir berichteten). Und auch zu viel Frust bei den Wartenden. „Die Stimmung ist sehr unterschiedlich“, berichtet auch Herbert Wiedemann. In Rottal-Inn finden die meisten Impfungen per Terminvergabe statt. Wer ohne Termin kommt, muss warten. Manchmal 90 Minuten, manchmal vier Stunden. Diskutieren müssen die Mitarbeiter aber vor allem wegen der Auffrischungsimpfungen, berichtet er. Eine Stiko-Empfehlung gibt es bisher nur für die Altersgruppen der Über-70- und Über-80-Jährigen. Und auch erst sechs Monate nach der Zweitimpfung. „Unser ärztlicher Leiter impft auf eigene Verantwortung auch Jüngere zum dritten Mal“, berichtet Wiedemann. Allerdings bekommt dort niemand vor Ablauf der sechs Monate die Booster-Impfung. Doch die Nachfragen wären da. „Es ist nicht sehr hilfreich, wenn Politiker wie Markus Söder öffentlich eine Booster-Impfung nach fünf Monaten ins Spiel bringen, ohne das mit Experten abzustimmen.“ Viele Diskussionen, die die Mitarbeiter der Impfzentren zurzeit führen müssen, wären vermeidbar gewesen, betont er. Denn Probleme gebe es bereits genug. Zum Beispiel die Impfstofflogistik. Rottal-Inn hat noch keinen Engpass. „Weil wir unser Impfzentrum nie ganz runtergefahren haben“, erklärt Wiedemann. Andere Impfzentren hätten diese Woche gerne mehr Dosen verimpft, als sie vor drei Wochen geordert hatten. Darauf hat das Ministerium bereits reagiert. Die Bestellungen werden ab übernächster Woche wöchentlich stattfinden. Wiedemann sagt: „Das ist für uns alle eine große Hilfe.“

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