Opposition fordert schnelles Impfangebot für alle

von Redaktion

München – Einen „echten Wellenbrecher“ hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Freitag angekündigt – und als Ultima Ratio eine Impflicht ins Spiel gebracht. Gleichzeitig sollen die Impfungen im Freistaat mit Hochdruck vorangetrieben werden. Doch der Opposition geht das nicht schnell genug.

„Bevor wir uns in juristischen Debatten um eine allgemeine Impfpflicht verkämpfen und damit viel Zeit verlieren, müssen wir doch alles dafür tun, jetzt möglichst viele Menschen mit einem passenden Impfangebot zu erreichen“, sagt Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann. Bayern habe hier längst noch nicht alle Instrumente ausgereizt. Es könne nicht sein, dass Impfwillige in langen Warteschlangen wieder nach Hause geschickt werden. „Impfen muss im Vorbeigehen ohne Termin funktionieren“, fordert Hartmann. „Warum haben wir bisher keine mobilen Impfteams auf jedem Marktplatz in den Corona-Hotspots, warum gibt es nicht längst Impfungen in Apotheken?“

Auch Bayerns SPD-Vorsitzender Florian von Brunn hält Söders Impfpflicht-Debatte für Ablenkung vom eigenen Versagen. „Er sollte sich besser darum kümmern, dass wir endlich beim Boostern und Impfen vorankommen.“

Niederschwellige Angebote wie mobile Impf-Busse gab es in Bayern schon, betont BRK-Sprecher Sohrab Taheri-Sohi. Doch er verweist einmal mehr darauf, dass mit dem Herunterfahren der Impfzentren Ende September viele Verträge gekündigt wurden. Das mache es nun schwer, die Kapazitäten schnell wieder hochzufahren. Damit seien auch viele flexible Impf-Angebote verloren gegangen. „Davor haben wir immer gewarnt.“ So war etwa das Impfzentrum im Corona-geplagten niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn trotz explodierender Fallzahlen und unterdurchschnittlicher Impfquote bisher nur zwei Tage pro Woche geöffnet. Ab heute wird dort wieder fünf Tage die Woche geimpft. Dafür fallen aber mobile Impfangebote wieder weg, um die Kräfte im Zentrum zu bündeln.

Taheri-Sohi hält die bayerischen Impfzentren durchaus für niedrigschwellig. „Sie liegen zentral und sind für jedermann erreichbar.“ Allerdings zeige der Blick in andere Länder auch, dass die bayerische Impfkampagne noch weiter Fahrt aufnehmen könne.

Auch Ludwig Hartmann sagt, Bayern müsse von den Impf-Europameistern Spanien und Portugal lernen. Dort sei allen per Brief oder Anruf ein Impftermin direkt vor Ort angeboten worden. „Hier sollte Ministerpräsident Söder mal seinen Wunsch und Ehrgeiz, dass wir Bayern immer an erster Stelle stehen, wirklich ausleben.“  mik/dg

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