München – Florian Gruber kennt den Ablauf für seinen Weihnachtsgottesdienst bereits aus dem vergangenen Jahr: Damals feierte der evangelische Pfarrer von St. Michael in Wolfratshausen nämlich unter freiem Himmel, mit rund 200 Menschen. Das große Grundstück neben seiner Kirche war mit Leuchtballons der Feuerwehr erhellt, die Stadt hatte Pavillons für die Mitwirkenden und das Musikensemble aufgestellt. „Im Anschluss kamen viele ganz begeistert zu mir und fragten: Können wir das nicht wieder machen?“ Und er macht es wieder. Sein Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hatte – wie berichtet – am Rande der Landessynode versprochen: „Jeder, der einen Weihnachtsgottesdienst feiern möchte, wird einen feiern können.“
Im Moment gelten für Gottesdienste in Bayern die üblichen Corona-Regeln: begrenzte Platzzahl, 1,5 Meter Abstand, FFP2-Maske. Kein Lockdown, doch Gruber weiß, dass es Grenzen gibt. Inzwischen ist die Inzidenz in seinem Landkreis so hoch, dass er auch mit 2G nicht mehr viele Menschen in die Kirchen lassen könne. „Aber die Direktiven der Landeskirche lassen uns genug Spielraum“, meint er. „Es geht vor allem darum, sinnvolle Lösungen für die einzelnen Gemeinden zu finden.“ Und die beste Lösung sei für seine Kirche die Open-Air-Weihnacht. An den Adventssonntagen feiert er mit 60 bis 80 Gläubigen den Gottesdienst in der Kirche. Damit genügend Platz ist, wird die Wand zum Gemeindesaal geöffnet und auch dieser Bereich bestuhlt. „Ich will nicht, dass jemand Panik bekommt“, sagt er. „Noch weniger will ich, dass wir zum Hotspot werden.“
Die katholische Kirche hält sich mit einer verbindlichen Vorhersage für ihre Christmetten zurück. „Es ist zu früh, um darüber zu sprechen“, meint Hendrik Steffens vom erzbischöflichen Ordinariat. „Wir haben ein dynamisches Infektionsgeschehen, da ist die Entwicklung für die nächsten Wochen noch nicht abzusehen.“
Stadtpfarrer Andreas Jall, Leiter der Pfarreiengemeinschaft aus fünf Kirchen in Starnberg, ist da ein gutes Stück weiter. Bereits im September hat er mit seinem Team einen Plan für die Feiertage erarbeitet. „Schon damals war zu erkennen, dass die Situation um Weihnachten herum nicht so harmlos sein wird“, sagt er. Und einen Heiligen Abend wie 2020 will er nicht wieder erleben: „Das war einfach nur schrecklich. Vor allem, weil die Entscheidungen so kurzfristig gefallen sind und sogar öffentlich vor dem Gottesdienstbesuch gewarnt wurde.“ Generell will Jall dieses Jahr alle Formate bespielen, also in großen und kleinen Kirchen Messen abhalten: „Wir haben als Kirche den Auftrag, offen für alle zu sein“, sagt er. „Obwohl ich die Haltung der Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, nicht verstehen kann.“ Gemeinsam mit Pfarrgemeinderat und Ehrenamtlichen wird er in den Dorfkirchen Perchting und Söcking Impfzertifikate und Personalausweise kontrollieren. Für die beiden Christmetten in der großen Kirche St. Maria in Starnberg rechnet er mit einem Anmeldeverfahren: „Dann kann jeder sicher sein, einen Platz zu bekommen.“ Insgesamt stehen davon allerdings weniger zur Verfügung, die 600 Plätze werden auf 110 reduziert, dafür gibt es zwei Messen.
Besser als nichts: „Wir sind es wert, dass wir nicht einfach abgesagt werden wie eine Kulturveranstaltung“, sagt Pfarrer Gruber. Weihnachtsgottesdienste seien dazu da, um bewusst zur Ruhe zu kommen und seelisch aufzutanken. Manchmal am besten unter freiem Himmel.