München – Die Organisatoren der Münchner Obdachlosenzeitung „Biss“ ärgern sich über unliebsame – und obskure – Konkurrenz. An verschiedenen Stellen in Oberbayern wird die Zeitung „Straßenlicht“ verkauft. Dabei handelt es sich um eine Obdachlosenzeitung, die laut Impressum in Darmstadt produziert wird. Herausgeber Sönmez Algac machte vor allem in Rheinland-Pfalz Schlagzeilen, weil er dort trotz Aufforderung keine Auskunft über die Verteilung der Verkaufserlöse machte. Daraufhin untersagte das Land Rheinland-Pfalz im Juni dieses Jahres den Verkauf von „Straßenlicht“.
Zuletzt tauchte ein Verkäufer am Montagabend in der Münchner S-Bahn auf, wo er „Straßenlicht“ ohne Genehmigung – in der Bahn darf grundsätzlich nichts verkauft werden – feilbot. Zuvor war die Straßenzeitung auch in Mühldorf angeboten worden. Dort ärgerten sich einigen Käufer via Facebook über den obskuren – impfkritischen – Inhalt der Postille. Das Blättchen hat 16 Seiten, eine ganze Seite ist dem Anthroposophen Rudolf Steiner gewidmet, speziell seiner Auffassung, Impfung sei gleichzusetzen mit „Seelen austreiben aus der Menschheit“. Auf einer weiteren Seite ist der Nürnberger Kodex von 1947 abgedruckt. Dieser entstand als Reaktion auf die menschenverachtenden Medizinversuche der Nationalsozialisten, wird jedoch von Corona-Leugnern derzeit gerne zitiert – für sie sind auch Impfungen Medizinversuche.
„,Straßenlicht‘ tut nur so, als ginge es dort um das Wohl von armen und obdachlosen Menschen“, sagt Karin Lohr, Geschäftsführerin der Sozialzeitung „Biss“. Wer einen Verkäufer sehe, solle ihn nach einem Verkäuferausweis fragen, ob die Zeitung Hilfe bei sozialen Problemen anbiete und ob er mit Gehalt und Sozialversicherung angestellt sei. dw