Verstärkung für die S-Bahn in Sicht

von Redaktion

VON DIRK WALTER

München – Die S-Bahn bekommt Zuwachs. Bereits im März wurde bekannt, dass die S-Bahn in Hannover 15 Fahrzeuge ausrangiert. Der Hintergrund: Die Deutsche Bahn hatte in Niedersachsen eine Ausschreibung verloren, die Züge sind übrig. Im Laufe des nächsten Jahres sollen sie nach München überführt werden.

Ganz problemlos lassen sich die Züge indes nicht in das Münchner Netz integrieren. Denn es handelt sich um den Zugtyp ET 424. Die Züge haben einen Türeinstieg auf 76 Zentimetern Höhe, die meisten Bahnsteige im Münchner S-Bahn-Netz indes liegen auf 96 Zentimeter Höhe. Entsprechend ist auch die Einstiegshöhe bei den beiden Zugtypen ET 420 und ET 423, die heute schon in München fahren. Dennoch hatte Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) im März erklärt, die Flottenerweiterung gebe „mehr Spielraum“ und „Schubkraft“ für die S-Bahn. Die Hannoveraner Züge dürfen aus technischen Gründen auch nicht in den Tunnel fahren, werden aber voraussichtlich auf der S2-Linie Dachau–Altomünster, auf der S4-Verstärkerlinie Geltendorf/Buchenau–Hauptbahnhof (oberirdisch) und auf der S 20-Strecke Höllriegelskreuth–Pasing/Grafrath eingesetzt. Ein kleines Manko gibt es außerdem: Die ET 424 haben Toiletten, weil sie im Großraum Hannover lange Strecken zurücklegen. Eine durchschnittliche S-Bahn-Fahrt in München ist kürzer, sagt ein Bahnsprecher. Daher werden die WCs, wie der Sprecher bestätigte, zugunsten vergrößerter Mehrzweckbereiche ausgebaut. Ein ET 424 hat dann 197 Sitzplätze, ein ET 423 nur 166. Dafür hat der Hannover-Zug weniger Türen. Die Züge werden mit einer neuen Lackierung, Wlan und Displays aufgehübscht.

Dennoch begrüßt der Grünen-Bahnexperte Markus Büchler die Verstärkung. „Ideal ist das zwar nicht, aber es ist besser, als gar kein Fahrzeug zu haben.“ Wenn der ET 424 auf den Außenästen eingesetzt werde, gebe es mehr reguläre S-Bahn-Züge für den Innenraum.

Auch ein 20-Minuten-Takt bis zu den Endbahnhöfen wird ab Ende 2022 möglich. Büchler, der in Oberschleißheim wohnt und oft per S-Bahn ins Maximilianeum pendelt, hat sich oft über die Verspätungen geärgert. „Auf der S1 ist es besonders grauslig gewesen zuletzt.“ Per Landtags-Anfrage hakt er wegen den Störungen jetzt nach, will wissen, was es mit dem „Abarbeitungsstau“ auf sich hat, den die DB zuletzt gegenüber unserer Zeitung eingeräumt hatte.

Während die Hannoveraner Züge das S-Bahn-Netz kurzfristig verstärken, überdenkt das bayerische Verkehrsministerium die langfristigen Ausbauschritte. Im Bahnknoten München stehen derzeit nicht weniger als 72 kleine und große Ausbauvorhaben zur Diskussion, erst ein Drittel davon ist in Planung oder Bau. Manche Projekte klingen fast utopisch, etwa eine S-Bahn-Linie entlang der Stuttgarter Autobahn bis Dasing. Auf drei „Dialogforen“ am 17. Dezember im bayerischen Verkehrsministerium will Ministerin Schreyer Mandatsträgern den Sachstand bei den Ausbauplänen vorstellen.

Obwohl Büchler mittels einer Landtags-Anfrage vorab hartnäckig nach Details fragte, erfuhr er nichts. Sein Kommentar: „Bei der Bahn hakt es an allen Ecken und Enden, da ist es unpassend, auch noch zu mauern.“

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