Brauchtum steht über Lockdown

von Redaktion

VON KILIAN PFEIFFER UND KATRIN WOITSCH

Bischofswiesen – Dicht gedrängt stehen hunderte Besucher in Loipl, einen Ortsteil von Bischofswiesen. Sie verfolgen das Treiben der Kramperl und Buttnmandl. Eine Maske trägt niemand. Auch die Polizei ist vor Ort, Verstöße werden nicht festgestellt.

Für das gesamte Berchtesgadener Land gilt wegen der hohen Inzidenzen ein Lockdown, auch Menschenansammlungen sind verboten. Das Landratsamt hatte zwar empfohlen, das Kramperl- und Buttnmandl-Laufen weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden zu lassen, doch die Bischofswiesener ließen sich am vergangenen Wochenende nicht davon abhalten, trotzdem zu der beliebten Brauchtumsveranstaltung zu kommen. Insgesamt versammelten sich über 1000 Schaulustige im Ort.

Im Vorfeld hatte es ein Treffen von Vertretern der Gruppierungen, Polizei, Bürgermeistern und des Landratsamtes gegeben. Die Buttnmandl-Vertreter hatten zwar betont, dass sie für die Ausübung des Brauchtums keine Zuschauer bräuchten. Der Druck auf die Behörde, den Brauch durchzuführen, sei aber groß gewesen, sagt einer der Teilnehmer. Das Brauchtum gilt offiziell nicht als Veranstaltung, darauf hatten die Gruppierungen verwiesen. Das Landratsamt schloss sich dieser Auslegung schließlich an. Nikolaus und Buttnmandl laufen in der Region von Haus zu Haus und besuchen Familien. Und das ist erlaubt. „Wichtig ist es allen Beteiligten, auch in diesen herausfordernden Zeiten die Bedeutung des heimischen Brauchtums nicht aus den Augen zu verlieren“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Darin wird auch darauf hingewiesen, dass Ansammlungen größerer Menschenmengen vermieden werden sollten. „Das Brauchtum rund um den Nikolaustag ist bei uns im Landkreis von besonderer Bedeutung“, betont Landrat Bernhard Kern aber. Daher sei von Anfang an festgestanden, „dass wenigstens eine eingeschränkte Durchführung unter bestimmten Maßgaben möglich sein muss“. Das Landratsamt habe aber darauf hingewiesen, dass Menschenansammlungen im öffentlichen Raum untersagt sind.

Mit einer so großen Besucherzahl hatte offenbar niemand gerechnet. Das bayerische Innenministerium und die Polizei verweisen darauf, dass die Entscheidung bei den Behörden vor Ort liegt. Vergangenes Wochenende waren mehrere Streifenbesatzungen in Loipl, Verstöße wurden jedoch nicht festgestellt, berichtete ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Eine Maskenpflicht besteht für den Aufenthalt im Freien nicht. Die Buttnmandl hätten sich gemäß den Vorgaben des Landratsamtes verhalten.

„In Loipl waren sehr viele Leute anwesend“, sagt ein örtlicher Polizist. Er hofft, dass es an den beiden weiteren Buttnmandl-Tagen am Sonntag und Montag nicht zu ähnlichen Szenen kommen wird. Die Polizei setze darauf, dass die Bürger vernünftig sind und zu Hause bleiben. Für die beiden Buttnmandl-Tage habe sich eine große Zahl an Polizeikräften angekündigt. Es soll verstärkte Kontrollen unter den Besuchern geben. Bei Verstößen drohen hohe Bußgelder.

Die 7-Tage-Inzidenz im Berchtesgadener Land ist seit wenigen Tagen zwar unter 1000 gesunken (gestern lag sie bei 859). Der Lockdown gilt aber mindestens noch bis Montag. Die Mitglieder der Gruppierungen seien weitestgehend geimpft und würden sich auch testen lassen, sagt ein Sprecher. Außerdem wollen sie Örtlichkeiten meiden, die stark frequentiert sind – etwa den Markt von Berchtesgaden.

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