Barrieren gemeinsam überwinden

von Redaktion

VON ELENA ROYER

München – „Wir wollen Barrieren nicht beseitigen, sondern sie gemeinsam überwinden“, sagt Stefan Winter. Er ist Ressortleiter Sportentwicklung beim Deutschen Alpenverein (DAV). Deshalb gibt es dort schon lange inklusive Gruppen, die mit dem Vorurteil aufräumen, dass Bergsport nichts für Menschen mit Behinderung ist. Darauf weist Winter bei jeder Gelegenheit hin.

„Menschen mit Einschränkungen sollen denen ohne Behinderung zeigen, dass es nicht auf die eigene Schwäche ankommt“, sagt Winter. Klettersport eignet sich seiner Meinung nach besonders gut dafür, weil die Herausforderung darin besteht, Hindernisse zu überwinden. Sei es an der Kletterwand oder in den Bergen. Das helfe, Selbstbewusstsein zu entwickeln. Gleichzeitig sollen die Teilnehmer auch eigene Barrieren im Kopf bewältigen und erkennen, was sie gemeinsam alles schaffen können.

Winter ist besonders eine Frau mit Sehbehinderung in Erinnerung geblieben, die vor einer Alpenüberquerung große Zweifel plagten. „Die Dame hatte natürlich Angst, da so ein Vorhaben ja auch gefährlich ist“, erzählt Winter. „Sie hat sich in den Trainingscamps des Alpenvereins immer weiter gesteigert und die Alpenüberquerung gemeistert.“

Für Menschen mit Behinderung gibt es spezielle Hilfestellungen. „Um ihnen Bergsport ermöglichen zu können, gibt es eine extra Trainerausbildung“, erklärt Winter. „Außerdem haben die Kletterhallen Routen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden oder größere Griffe, die leichter zu greifen sind. Und wenn jemand zum Beispiel eine Unterarm-Amputation hat, gibt es als spezielle Ausrüstung einen künstlichen Arm, mit dem Klettern trotzdem möglich ist.“

Damit Inklusion langfristig gelingt, müssen die Menschen immer wieder dazu eingeladen werden, findet Winter. „Wir sind auf einem guten Weg, aber man darf nicht in alte Muster zurückfallen.“ Damit meint er zum Beispiel nicht-inklusive Gruppen, in denen Behindertensport isoliert von Menschen ohne Behinderung getrieben wird. „Das hat teilweise sein Recht“, sagt er. „Es sollte aber zu keiner Sonderbehandlung mehr kommen. Das Ziel sollte doch sein, voneinander zu lernen.“

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