München – Fast täglich Corona-Fälle an der Schule, Eltern, die mit dem Anwalt drohen, Lehrermangel und dazu noch Aufgaben „on top“ wie Beurteilungen und Projektwochen – Schulleiter in Bayern stöhnen über kaum mehr zu schulternde Aufgaben. „Es ist nie genug, es ist immer zu wenig“, sagte Andrea Zran, Rektorin der Grundschule St. Konrad in Haar (Kreis München), auf einer vom Lehrerverband BLLV organisierten Pressekonferenz. Sie hatte sich von zu Hause aus zugeschaltet – im Schulhaus ging das Wlan nicht. Außerdem musste sie einen Wasserschaden in ihrer Schule managen. „Immerhin hatten wir heute keinen positiven Corona-Fall.“ So oder so ähnlich klangen auch die Zustandsbeschreibungen ihrer Kolleginnen, die BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann zusammengetrommelt hatte. „Es ist unverantwortlich, dass die politisch Verantwortlichen zuschauen, wie unsere Leute in die Knie gehen.“
Der BLLV warnt seit Langem vor einer Überlastung der Schulleitungen und fordert für sie weniger Unterrichtszeit, eine Erhöhung der Leitungszeit und mehr Anrechnungsstunden. Die Forderungen verhallen seit Jahren im Wesentlichen ungehört. Dass Schulleiter enormen Stress hätten, habe sich herumgesprochen. Mittlerweile gebe es zu wenig Bewerber für freie Stellen. So sind in Unterfranken 16 von 348 Schulleiterpositionen unbesetzt. Auch in Oberbayern wird Personal gesucht. Die Grundschule Anzing (Kreis Ebersberg) wird von der Konrektorin geleitet, weil sich für den Leitungsposten niemand beworben hat. Bei der benachbarten Grundschule Hohenlinden ist es ähnlich. BLLV-Vize Gerd Nitschke sagte, er habe überdies eine Liste mit 65 Namen, die ihr Schulleiteramt zurückgegeben hätten. Die 100 Euro Verdienstausfall nehme man gerne in Kauf.
„Wir halten durch, aber wir können bald nicht mehr“, warnte Sabine Bösl, Leiterin der Quirin-Regler-Grundschule in Holzkirchen (Kreis Miesbach). Das Kultusministerium verschicke seine Anweisungen „meist Freitag am Nachmittag oder abends“, klagte sie. „Wir sollen das am Montag dann umsetzen.“ Auch verbale Angriffe von Eltern nähmen zu. „Meine Beobachtung ist, dass denen auch die Luft ausgeht.“
Statt eine Corona-Prämie wäre den Lehrern mit einem Verzicht auf Zusatzaufgaben mehr geholfen, sagte BLLV-Chefin Fleischmann. Eben dies fordert nun die FDP: Kultusminister Michael Piazolo solle in diesem Jahr die verpflichtende Projektwoche zur Alltagskompetenz streichen. dw