Angelika Schorer tritt ihr neues Amt als BRK-Präsidentin in einer herausfordernden Zeit an. Die Pflegekräfte in Kliniken und die Mitarbeiter im Rettungsdienst arbeiten am Limit. Wichtig sei es, die Impfbereitschaft zu erhöhen, betont die 63-jährige Allgäuerin, die für die CSU im Landtag sitzt. Die Wahl hat sie am Sonntag knapp mit 197 von 378 Stimmen gewonnen. Im Interview berichtet sie, was sie sich für ihre Amtszeit vorgenommen hat – und was die Lehren aus Pandemie und Flutkatastrophen sind.
Das Wahlergebnis war knapp. Wie wollen Sie die Mitglieder für sich gewinnen, deren Stimme Sie nicht bekommen haben?
Es gab bei der Wahl diesmal eine Auswahl an Kandidaten – das merkt man natürlich auch bei dem Ergebnis. Ich werde es analysieren. Aber ich glaube nicht, dass es im BRK eine Spaltung gibt. Vielleicht hatten einige andere Erwartungen, vielleicht wollten einige auch keine Frau als Präsident. Frauen gestalten manches anders. Aber ich habe in Schwaben bereits bewiesen, dass ich es kann. Ich freue mich aber auf die Herausforderung, auch die, deren Stimme ich nicht bekommen habe, für mich zu gewinnen.
Sie treten Ihr Amt in der schlimmsten Phase der Pandemie an. Das Gesundheitssystem ist am Limit, viele Helfer überlastet. Wie besorgt blicken Sie auf nächsten Wochen?
Sie werden eine große Herausforderung. Wir müssen darum kämpfen, niemanden zu verlieren. Unser Verband muss alles dafür tun, die Leute vor Ort zu unterstützen. Auch mithilfe der Ehrenamtlichen. Ich hoffe und wünsche mir, dass uns unsere Kräfte nicht verlassen. Aber ich vertraue auch darauf, dass wir hoch motivierte und gut ausgebildete Leute in unserem Verband haben. Jetzt gilt es, die Menschen wachzurütteln, die noch nicht geimpft sind. Ich hoffe, dass die neue Regierung in Berlin eine gute Entscheidung trifft. Das wäre ein wichtiges Signal für unsere Leute.
Sie sprechen von einer Impfpflicht. Für Pflegekräfte oder für alle?
Entschieden wird in der Bundesregierung. Aber ich persönlich finde die Frage schwierig, auf welche Berufsgruppen man eine Impfpflicht beschränken sollte. Nur die Pflegekräfte, auch die Erzieher in den Kindertageseinrichtungen? Was ist mit dem Einzelhandel? Man kann niemanden ausnehmen, das Impfen ist einfach der Weg aus dieser Krise.
Nicht nur durch die Pandemie, auch durch die Flutkatastrophen gab es viele Bilder, die zeigen, was das BRK leistet. Schreckt das auch ab? Wird es schwieriger, Nachwuchs zu finden?
Unsere Jugend hat so viele Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren. Es wäre schlimm, wenn ich mir keine Gedanken darüber machen würde, wie wir sie für das BRK gewinnen können. Wir müssen vermitteln, dass es etwas Schönes und Wertvolles ist, anderen zu helfen. Diese Herausforderung wird für mich sicher die nächsten vier Jahre ein Dauerthema.
Was müssen die Lehren aus Pandemie und Flut sein?
Die Pandemie und die Starkregenereignisse haben uns vor Augen geführt, dass wir offene Flanken im Katastrophenschutz haben. Ich biete an, dass sich das Bayerische Rote Kreuz an einer Reform des Katastrophenschutzgesetzes in Bayern einbringt. Wir müssen uns besser vorbereiten auf Cyberangriffe, flächendeckende Stromausfälle, aber auch Pandemien und Unwetterkatastrophen. Dafür brauchen wir zum Beispiel ein Trainingszentrum für Wassergefahren.
Können Sie sich Situationen vorstellen, in denen Sie durch Ihr Mandat als Abgeordnete und Ihr Amt als BRK-Präsidentin in einen Konflikt kommen könnten?
Man muss wissen, wo man welchen Hut aufhat. Aber ich sehe es als Vorteil, eng dran zu sein an den Helfern vor Ort und deutlich machen zu können, wo die Probleme liegen. Ich werde für die Hilfsorganisationen in Bayern die Stimme erheben – und ich bin sicher, dass sie gehört wird.
Interview: Katrin Woitsch