Ohne Test auf die Piste

von Redaktion

VON DOMINIK GÖTTLER

München – Seit Wochen hatten die bayerischen Seilbahnbetreiber Alarm geschlagen. Die Liftfahrt zur Piste ist laut Corona-Verordnung des Freistaats nur Geimpften und Genesenen mit zusätzlichem tagesaktuellen Test erlaubt – wie etwa im Zoo oder auf dem Golfplatz (wo sich die Begeisterung über diese Regel ebenfalls in Grenzen hält). Als Todesstoß für die Branche werteten das Touristiker, zumal in den Skigebieten in der Schweiz und in Österreich 2G statt des bayerischen 2G-plus-Modells gilt.

Gestern hat die Staatsregierung auf die anhaltende Kritik aus der Branche reagiert und die Corona-Regeln fürs Skifahren gelockert. Geimpfte und Genesene sollen Gondeln und Lifte auch in Bayern ohne zusätzlichen negativen Corona-Test nutzen dürfen. „Das ist ein tragbarer Kompromiss, um die Abwanderungsbewegungen in die Nachbarländer zu verhindern“, sagte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) gestern nach der Kabinettssitzung. Die Fahrt mit der Gondel könne auch mit Maske und Lüftung sicher durchgeführt werden. Gleichzeitig appellierte er aber an die Wintersportler, sich an die weiterhin geltenden Hygienemaßnahmen zu halten – „damit wir nicht wieder auf die Bremse treten müssen“. Laut Tourismusverband Oberbayern soll die neue 2G-Regel für Skigebiete ab diesem Samstag gelten.

Bei den Seilbahnbetreibern ist die Erleichterung groß. „Wir arbeiten jetzt an digitalen Lösungen für unsere Saisonkarteninhaber“, sagt Verena Altenhofen, Sprecherin der Zugspitzbahn. Das Ziel: Den Impf- oder Genesenenstatus einmal hinterlegen, dann ersparen sich die Gäste langwierige Kontrollen. „Durch den Wegfall der Plus-Regelung haben wir weniger Personalaufwand und die Gäste weniger Stress“, sagt Altenhofen. Und auch die Konkurrenz aus Österreich sei in Garmisch-Partenkirchen ein großes Thema gewesen. „Wenn man nur ein paar Minuten länger fahren muss, um in Ehrwald oder in Seefeld auch ohne Test auf der Piste zu stehen, wäre das für uns schon problematisch gewesen.“ Über den Saisonstart im Skigebiet Garmisch-Classic werde in gut einer Woche entschieden, so Altenhofen. Im Zugspitzgebiet läuft der Betrieb bereits seit Mitte November.

Auch beim Skiverbund AlpenPlus wurde die Nachricht mit Freude aufgenommen. „Wir sind sehr glücklich darüber“, sagt Sprecherin Antonia Asenstorfer. Am Spitzingsee soll die Skisaison schon am kommenden Wochenende starten, am Brauneck und am Sudelfeld könnte es zumindest teilweise auch schon losgehen. Eine Regelung bereitet ihr allerdings noch Kopfschmerzen: die maximale Auslastung von Gondeln. Die soll weiterhin bei 25 Prozent der Kapazität liegen, wie Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) gestern betonte, um „das Sicherheitsniveau weiter hochzuhalten“. Schlepp- und Sessellifte sind davon ausgenommen. „Für unsere Kabinenbahnen am Wallberg oder am Brauneck könnte das bedeuten, dass nur eine Person damit fahren darf“, sagt Asenstorfer. Hier gelte es nun den Wortlaut der Verordnung abzuwarten. „Dann müssen wir sehen, ob wir da eine Familie zusammen reinlassen dürfen oder nicht.“ Bei der Zugspitzbahn will man sich zur 25-Prozent-Regel noch nicht äußern. „Da haben wir bislang nichts Schriftliches“, sagt Altenhofen.

Auch die IHK für München und Oberbayern begrüßte die Beschlüsse des Kabinetts. Für die Tourismusregionen in Oberbayern sei das eine extrem wichtige Entscheidung. Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl forderte die Staatsregierung außerdem dazu auf, Menschen mit Drittimpfung auch den Besuch von anderen Freizeiteinrichtungen wie Fitnessstudios künftig ohne zusätzlichen Test zu gestatten.

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