Schlange stehen für die Abfahrt

von Redaktion

VON HANS DEMMEL UND CORINNA KATTENBECK

Lenggries/Miesbach – Weil Kaiserwetter und Pulverschnee lockten, begann schon am frühen Sonntagmorgen ein regelrechter Massenandrang. „So etwas habe ich am Brauneck noch nie erlebt“, kommentierte ein Mann aus Lenggries den großen Zulauf. Lange Wartezeiten an den Kassen waren die Folge, die Zufahrten zu den Parkplätzen wurden bald geschlossen.

Schon am Samstag hatte sich vor Betriebsbeginn eine Menschenkette bis zum Parkplatz gebildet. Die Disziplin der Wartenden überraschte das Personal. „Alle waren geduldig, es gab keinerlei Probleme, sämtliche Regeln und Vorgaben wurden eingehalten“, sagte ein Mitarbeiter. Den Grund dafür brachte ein wartender Wintersportler auf den Punkt: „Alle freuen sich, endlich wieder Ski fahren zu können. Dafür nimmt jeder eine Wartezeit gerne in Kauf.“

Vor allem bei der Bayerischen Zugspitzbahn wurden die Gäste auf eine Geduldsprobe gestellt: Nur ein Viertel der Plätze in der Gondel durfte belegt werden. „Die Wartezeit hat sich vervierfacht“, bedauerte Sprecherin Verena Altenhofen. Der Ticketverkauf musste vorübergehend gestoppt werden.

Beim AlpenPlus-Verbund, dem die Skigebiete Brauneck, Spitzingsee, Sudelfeld und Wallberg angehören, war man gestern guter Dinge. „Viele Gäste haben sich nun doch noch für einen Saisonpass entschieden“, sagte Sprecherin Antonia Asenstorfer. Unsicherheit bezüglich Öffnungs- und Zugangskriterien hatten die Gäste lange zögern lassen. Die Regelung, wonach jeder Geimpfte und Genesene ohne Test ein Ticket bekommt, verschaffte Klarheit. Die Kontrolle übernimmt das Sicherheitspersonal an den Hauptkassen. „Das geht relativ flott, aber Schlangenbildung bleibt nicht aus.“ Von den Kassenhäuschen kamen positive Rückmeldungen. „Die Leute warten geduldig und sind froh, wieder rauszukommen und Wintersport machen zu dürfen“, so Asenstorfer. Alles in allem leiste ein solches Erlebnis einen Beitrag zur Stärkung des Immunsystems: Bewegung, frische Luft und Freude inklusive. „Bei uns ist der Gesundheitseffekt größer als die Gefahr zu erkranken.“

Die Personalsituation ist nach eineinhalbjähriger Auszeit nicht gerade rosig. „Unsere Mitarbeiter haben unter der Kurzarbeit gelitten“, räumte Antonia Asenstorfer ein. „Die lange Durststrecke war eine große Belastung.“ Vor allem von den Saisonkräften seien viele abgesprungen, für Lift und Kasse werde nach Verstärkung gesucht.

Gefragt war wieder die Hüttengastronomie. Bei Schneefall und Nebel am Samstag nutzten viele die Gelegenheit, gleich einmal auszuprobieren, wie gut der Einkehrschwung noch funktioniert. Und auch dabei gab es offenbar keine Klagen. „Mit Abstand wird angestellt, die Leute nehmen Rücksicht“, bestätigte Hans Müller von der Straßeralm in Wegscheid. Nur Hüttenfez mit lauter Musik und Aprés Ski sind tabu. Aber fröhliche Klänge waren dennoch zu hören. Im Sessellift sang eine Gruppe junger Mädchen Wolfgang Ambros’ Klassiker: „Schifoan des Leiwandste, was ma si nur vorstö’n ko.“

Und die Gelegenheiten werden mehr: Nächstes Wochenende öffnen unter anderem die Gebiete am Jenner bei Berchtesgaden, am Geißkopf im Bayerischen Wald sowie am Fellhorn und am Nebelhorn bei Oberstdorf.

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