Erding – „Ich muss hier raus“, sagt Franzi Fuchs und lächelt in ihrem Elektrorollstuhl. Mama Karin Fuchs-Weber sitzt daneben, grinst auch – und nickt. Franzi ist 22 Jahre alt und wünscht sich vielleicht früher als viele ihrer Altersgenossen, ein eigenständiges Leben in einer eigenen Wohnung zu führen. Doch so einfach ist das nicht.
Franzi war erst ein Jahr alt, als sie am 30. Juli 2000 in einen schweren Autounfall verwickelt wurde. Ein Reisebus war ungebremst in den Wagen der Familie gekracht. Das Mädchen saß zwar korrekt gesichert in einem Kindersitz. Doch durch die pfeilschnelle Vor- und Rückwärtsbewegung erlitt sie schwerste Schädelverletzungen. Ihr Hirndruck stieg bedrohlich an. In der Schwabinger Kinderklinik wurde der Schädel geöffnet. Dabei platzte die Schlagader im Kopf. Seither ist die junge Frau auf den Rollstuhl angewiesen, muss mit einer Spastik an Armen und Beinen leben.
Doch Franzi kann ihren Alltag gut bewältigen. Beim BRK Erding absolviert sie gerade eine Lehre in Bürokommunikation. Gerne würde sie übernommen werden. Sie kümmert sich um die Post, E-Mails und viele weitere Büroangelegenheiten.
Ganz auf sich alleine gestellt wird sie allerdings nie sein können. Zweimal am Tag kommt der Pflegedienst – zum An- und Auskleiden, zur Hygiene und zum ins Bett bringen. Sie muss ihren Tagesablauf nach den Zeiten richten, zu denen der Pflegedienst kommt.
Franzi hat schon einmal allein gelebt – als sie bei der Pfennigparade in München zur Schule ging. Danach sollte sie in einer Werkstatt für Behinderte untergebracht werden. „Das war aber nichts für mich, das ist Beschäftigungstherapie, die mich unterfordert hätte“, sagt sie selbstbewusst.
Sie verließ die Pfennigparade und fing ihre Ausbildung an. Dazu musste sie wieder daheim einziehen. Doch immer stärker wird ihr Wunsch, ein eigenständiges Leben zu führen. Zur Berufsschule fährt sie alleine mit der S-Bahn, ebenso besucht sie in München regelmäßig Freundinnen. Auch im Urlaub war sie schon, in Amsterdam, Wien, heuer in Hamburg und Lübeck. Über Ebay-Kleinanzeigen suchte sie Begleiterinnen. „Ihre Bahn-Fahrkarten organisiert sie sich am Münchner Hauptbahnhof auch selbst“, berichtet ihre Mutter.
Doch wenn Franzi will, dass die Eltern mal alleine verreisen, muss sie in ein Seniorenheim. „Es gibt für junge Menschen mit Behinderung nichts“, sagt sie mit Bedauern. Und Franzis Grad der Beeinträchtigung ist für eine Vollversorgung, die die Pflegekasse bezahlt, nicht schwer genug.
Deshalb nun die Idee mit der WG. Franzi sucht zwei, drei ebenfalls körperlich beeinträchtigte junge Menschen, die sich wie sie von daheim abnabeln wollen. „Es ist ihre einzige Chance, eigenständig zu leben“, sagt Karin Fuchs-Weber. Wenn sich mehrere zusammentäten, hätten sie entweder längere Zeiten, in denen ein Pfleger in der Wohnung ist. Noch idealer wäre, wenn die WG durch den Zusammenschluss einen eigenen Pfleger engagieren könnte. Franzi ist es egal, ob die Mitbewohner männlich oder weiblich sind.
Am besten wäre es für sie, wenn die WG in Erding entstünde. Die Familie hat eventuell einen Bauträger an ihrer Seite, der bei einer barrierefreien Wohnung helfen würde. In jedem Fall sollte der Wohnort an einer S-Bahn liegen, denn nur so bleibt Franzi mobil.
Interessenten
an einer barrierefreien WG wenden sich per E-Mail an Franzi Fuchs: frannyfox.ff@googlemail.com.