München – Die Pandemie hinterlässt überall ihre Spuren – auch im Jahrbuch von Bayerns Statistikern. Doch nach einem Jahr voller schlechter Nachrichten macht Innenminister Joachim Herrmann (CSU) Hoffnung: „Es geht wieder aufwärts“, sagt er. Nicht nur in der Wirtschaft.
. Bevölkerungswachstum
Wurde im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres noch ein leichter Bevölkerungsrückgang verzeichnet, gehen die Zahlen nun wieder nach oben: In den ersten neun Monaten dieses Jahres nahm die Einwohnerzahl Bayerns um 36 461 Personen zu. Ende September lebten rund 13,18 Millionen Menschen in Bayern. 2020 war zudem der stärkste Geburtenjahrgang seit 1997 im Freistaat: 128 764 Kinder kamen zur Welt. Nach wie vor sterben jährlich aber mehr Menschen, als Babys zur Welt kommen. Dieses Minus wird jedoch durch Zuzug ausgeglichen. „Das zeigt, dass Bayern als Lebensmittelpunkt attraktiv bleibt“, sagte Herrmann. Die Herausforderung dabei sei, genug Wohnraum zu schaffen und gleichzeitig den Flächenverbrauch zu reduzieren.
. Corona-Sterbefälle
7222 Menschen starben laut Herrmann im vergangenen Jahr nachweislich an Corona. Etwa neun von zehn Corona-Toten waren 70 Jahre oder älter. Nur an Herzkrankheiten, Krebs an den Verdauungsorganen, Krankheiten wie Schlaganfall und infolge von Demenz starben mehr Menschen im Freistaat. Zum Vergleich: An Grippe und Pneumonie starben 2416 Personen, bei Verkehrsunfällen 577. Herrmann sagte: „Wer jetzt immer noch leugnet, dass es Corona gibt oder das Virus verharmlost, verschließt seine Augen vor der Realität.“
. Wirtschaftsaufschwung
Die bayerische Wirtschaft erholt sich Schritt für Schritt von den Auswirkungen der Pandemie. Die Arbeitslosenquote im Freistaat lag im Oktober mit 2,9 Prozent bundesweit am niedrigsten – vergangenes Jahr war sie zwischenzeitlich auf 3,7 Prozent angestiegen. Auch der Einzelhandel verzeichnete in den ersten Quartalen 2021 wieder ein Umsatzplus, und das Bruttoinlandsprodukt stieg im ersten Halbjahr preisbereinigt wieder auf 3,7 Prozent. Auch beim Tourismus geht es langsam wieder bergauf, es kommen wieder mehr ausländische Gäste.
. E-Mobilität auf den Straßen
Allen Debatten um den Individualverkehr zum Trotz ist auch die Zahl der Kraftfahrzeuge auf Bayerns Straßen wieder angestiegen. 10,5 Millionen Fahrzeuge waren 2020 zugelassen, ein Plus von 1,3 Prozent. „Die Menschen verabschieden sich nicht vom Auto“, sagte Herrmann. „Aber sie setzen auf klimafreundliche Antriebe.“ Der Anteil von Hybrid- und Elektro-Pkw ist in den vergangenen fünf Jahren von 0,5 auf 3 Prozent gestiegen. Deutlicher wird der Wandel bei den Neuzulassungen in diesem Jahr: Da lag der Anteil alternativer Antriebstechnologien bei 41,7 Prozent.
. Mehr Wohnfläche pro Kopf
6,55 Millionen Wohnungen gab es 2020 in Bayern – so viele wie noch nie in der Geschichte des Freistaats. Zum Vergleich: vor zwanzig Jahren waren es noch rund eine Million weniger. Auffälliger Fakt: Heute haben die Menschen in Bayern deutlich mehr Wohnfläche zur Verfügung. Waren es vor 35 Jahren noch 37,5 Quadratmeter pro Kopf, sind es Ende 2020 48,8 Quadratmeter.
. Landwirtschaft
1,1 Millionen Milchkühe gab es 2020 in Bayern. Das sind rund 300 000 weniger als noch vor 20 Jahren. Dennoch wird heute mehr Milch produziert als damals. Auffällig: Während die Schlachtmenge beim Rind- und Schweinefleisch in den vergangenen Jahrzehnten rückläufig ist, hat sie sich beim Geflügel mehr als verdreifacht. DOMINIK GÖTTLER