Bauernpräsident Heidl: „Fleisch darf nicht als billiger Lockvogel missbraucht werden“

von Redaktion

Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) sagt, es dürfe keine Ramschpreise für Lebensmittel mehr geben. Bayerns Bauernpräsident Walter Heidl hält diese Debatte für überfällig.

Herr Heidl, sind unsere Lebensmittel zu billig?

Ja! Wir kritisieren schon lange, dass die Handelskonzerne und insbesondere die Discounter unsere Frischlebensmittel benutzen, um die Verbraucher in die Geschäfte zu locken. Aber diese Lockangebote werden abgewälzt auf die Erzeugerkette – vom Vermarkter über den Schlachthof bis zum Landwirt, der keine auskömmlichen Preise bekommt. Die Debatte über diese unlauteren Handelspraktiken ist überfällig.

Die Probleme sind ja nicht neu.

Leider hat es die Politik versäumt, etwas gegen diese Handelspraktiken zu unternehmen. Im Gegenteil, die Politik hat sogar zugestimmt, dass die Größten noch größer werden, etwa als Edeka Tengelmann übernommen hat.

Welche Folgen hat das für die Landwirte?

Man sieht das derzeit beim Schweinefleisch. Während der Preis an der Ladentheke ansteigt, geht er bei den Landwirten zurück. Das können Sie niemandem mehr erklären. Da macht sich der Einzelhandel die Taschen voll.

Wie lässt sich dieser Preiskampf eindämmen?

Es gäbe Ansätze wie die Initiative Tierwohl, bei der die Landwirte ihre zusätzlichen Tierwohl-Anforderungen honoriert bekommen. Doch wir erleben gerade beim Rindfleisch, wo eine ähnliche Initiative geplant ist, dass der Handel sehr ablehnend reagiert, wenn es um höhere Preise geht. Mit dem Borchert-Plan liegt ein Vorschlag auf dem Tisch, woher das Geld für mehr Tierwohl kommen kann: Durch höhere Preise an der Theke. Ob das über eine Umsatzsteuer, eine Abgabe oder andere Mechanismen organisiert wird, da habe ich kein Patentrezept. Aber gar nichts zu tun, ist zu wenig.

Heißt das, künftig kann sich nicht mehr jeder ein gutes Stück Rindfleisch leisten?

Ausgewogene Ernährung heißt nicht, jeden Tag Fleisch zu essen. Das war früher auch so. Fleisch ist ein hochwertiges Nahrungsmittel. Es braucht seinen Preis und darf nicht vom Handel als billiger Lockvogel missbraucht werden.

Interview: Dominik Göttler

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