Dem Schnee auf der Spur

von Redaktion

VON KATRIN WOITSCH

München – Martin Bierling ist Gärtnermeister der Schlossverwaltung Linderhof. Wenn es im Winter ordentlich schneit, schaut er sich den Schnee schon berufsbedingt immer ganz genau an. Denn die Treppen und schmalen Wege im Schlosspark müssen er und seine Kollegen per Hand freischaufeln. „Wer räumen muss, interessiert sich zwangsläufig dafür, wie nass und schwer der Schnee ist“, sagt er schmunzelnd. Seit rund zehn Jahren ist diese Frage für ihn aber doppelt wichtig.

Bierling ist Schneebeobachter. Wenn mehr als fünf Zentimeter Schnee liegen, misst er morgens mithilfe einer speziellen Sonde die Höhe und das Gewicht – und meldet die Daten anschließend an das Landesamt für Umwelt (LfU) in Augsburg. Genau wie 124 weitere Schneebeobachter in Bayern. Dazu kommen 168, die vom Deutschen Wetterdienst beauftragt wurden. Beide Behörden speisen die Daten in ein gemeinsames Netzwerk ein – und werten sie aus. Für die Meteorologen vom DWD sind die Schneehöhen interessant – sie verraten, wie sich die Schneedecken über den gesamten Winter entwickeln. Die Hochwasserzentrale des LfU interessiert sich vor allem für den Wassergehalt des Schnees. „Jedes Jahr gibt es im Winter irgendwo in Bayern eine Tau-Flut“, erklärt der Meteorologe und LfU-Mitarbeiter Joachim Stoermer. Aufgabe der Hochwasserzentrale ist es, sie vorab zu berechnen, um rechtzeitig darauf hinzuweisen, sodass die örtlichen Wasserwirtschaftsämter Warnungen herausgeben können. Basis dafür sind die Daten, die die Schneebeobachter sammeln.

Aktuell suchen DWD und LfU wieder Menschen, die diese Aufgabe übernehmen möchten. Spezielle Qualifikationen sind dafür nicht erforderlich. „Eine gewisse Zuverlässigkeit ist nötig“, erklärt Stoermer. Die Daten sollten täglich zwischen 6.30 und 8.30 Uhr in das Meldesystem eingegeben werden. Außerdem sei ein eigener Garten nötig, der Schnee darf nicht auf versiegelten Flächen gemessen werden. „Die Schneebeobachter sollten eine repräsentative Stelle im Garten aussuchen“, sagt Stoermer. Sie bekommen für ihre Arbeit eine kleine Aufwandsentschädigung von 2,70 Euro pro Messung. Weil ein Schneebeobachter im Alpenvorland erfahrungsgemäß mehr zu tun hat als ein nordbayerischer. „Wichtig ist es für uns aber, dass überall in Bayern gemessen wird“, erklärt Stoermer.

So sind damals auch Martin Bierling und seine Kollegen an die Schneebeobachter-Aufgabe gekommen. „Eine Privatperson in unserer Gegend musste die Aufgabe abgeben“, berichtet er. Weil Linderhof relativ abgelegen liegt, fragte das LfU bei der Schlösserverwaltung an. Als Angestellte des Freistaats bekommen Bierling und seine Kollegen für die Aufgabe keine Vergütung. Und als Gärtner, die sowieso das ganze Jahr die Natur im Blick haben, übernehmen sie die Aufgabe gerne. Auch wenn sie an sehr eisigen und schneereichen Tagen schon mal eine Viertelstunde dauern kann. Wie schwer der Schnee gerade ist, weiß Bierling allerdings meistens schon, bevor er mit der Messung beginnt. Schließlich ist seine erste Aufgabe jeden Tag ja das Schneeräumen.

Interesse?

Wer gerne Schneebeobachter werden möchte, kann sich an den Hochwassernachrichtendienst des LfU (hnd@lfu.bayern.de) oder den DWD (rmg.muenchen@ dwd.de) wenden.

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