Unterhaching/Murnau/Dachau/Wolfratshausen – An mehreren Orten Oberbayerns kam es gestern Abend zu Demonstrationen und Gegendemonstrationen zum Thema Corona-Politik. Ein Überblick:
An scharfen Tönen mangelte es in Unterhaching nicht. „Gib Irrsinn keine Chance“, stand auf einem Plakat, auf einem anderen „Kritik geht auch ohne Menschenhass“. Rund 300 Bürger haben am Abend für Wissenschaft, Solidarität, Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Coronakrise demonstriert.
„Hass, Hetze und Querdenker, die nur spalten, haben in der Demokratie nichts verloren“, sagte Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer bei der Kundgebung auf dem Rathausplatz, den ein Polizeiaufgebot sorgsam von rund 200 sogenannten „Spaziergängern“ abschirmte. In deren Richtung polterte der Münchner Kabarettist Christian Springer: „Es macht mich fassungslos, dass da drüben Leute stehen, die all das Leid negieren – was für eine Schande!“
Mit Trillerpfeifen und Lärminstrumenten versuchten die „Spaziergänger“, die Pro-Corona-Maßnahmen-Kundgebung zu stören, wurden von der Polizei aber gestoppt. Währenddessen berichtete der Pfleger Christian Markus aus dem Krankenhausalltag („Ich weiß, wie Todesangst aussieht“) und schimpfte in Richtung der Coronaleugner: „Für euch jämmerliche Minderheit ist das alles kein Hindernis, euren Schwachsinn zu verbreiten. Schämt euch!“
Auch in Dachau kam es zu einer Demonstration von Impfgegnern und einer Gegendemonstration. Rund 200 Menschen bildeten auf dem Rathausplatz mit Schals eine Menschenkette als Zeichen gegen die „Spaziergänger“.
In Murnau zogen circa 450 Impfgegner durch die Straßen. Viele trugen Kerzen in den Händen, einzelne schoben Kinderwagen vor sich her, einige trugen Schilder, um ein Zeichen „für eine freie Impfentscheidung“ zu setzen. Eine Gegendemonstration von rund 60 Teilnehmern sprach sich gegen Rechtsextremismus und eine Radikalisierung aus. Laut Polizei gab es keine Zwischenfälle.
Friedlich verlaufen ist auch das Aufeinandertreffen von 800 „Spaziergängern“ und 450 Gegendemonstranten in Wolfratshausen. Ab 18.30 hatten sich die Anhänger der Aktion „Menschenkette für Solidarität: WOR tolerant“ im Obermarkt versammelt. Auf der anderen Seite pilgerten ab 19 Uhr die „Spaziergänger“ durch die Altstadt. Beide Seiten verzichteten auf Provokationen. MBE/SJ/NO/VU