Friedberg – Vor fast 39 Jahren verschwand ein junger Mann aus Schwaben spurlos in den Rocky Mountains. Er war dort zu einer Skitour unterwegs. Seine Schwester, die in Friedberg bei Augsburg lebt, hörte seitdem nichts mehr von ihrem Bruder – bis Oktober vergangenen Jahres. Damals wurden Teile seines Skeletts in den Resten einer Lawine entdeckt. Die Überführung verzögerte sich jedoch.
Rudi Moder war 27, als er sich 1983 von seiner Schwester und den Eltern verabschiedete. „Er wollte ein halbes, dreiviertel Jahr in den USA bleiben“, erinnert sich Elfriede Moder-Frei. Sie und ihr Bruder hatten damals in München Lehramt studiert, er hatte sein Examen in der Tasche und wollte etwas von der Welt sehen. „Er hatte einen Freund in Fort Collins, Colorado, den er besuchte“, erzählt die 64-Jährige. Von dort aus wollte er eine Skitour zum Thunderpass unternehmen, drei Tage lang sollte die Tour dauern. Am 13. Februar brach er dazu auf, es wurde eine Tour ohne Wiederkehr.
Eine Nassschneelawine muss ihn überrascht haben. Sein Freund Hans meldete Rudi als vermisst. Die US-Behörden starteten im Rocky-Mountain-Nationalpark eine große Suchaktion. Man fand seine Brotzeit-Box und seinen Schlafsack. Rudi Moder selbst fanden die Einsatzkräfte nicht. Nach vier Tagen wurde die Suche abgebrochen. Danach hörte die Familie nichts mehr.
Elfriede Moder-Frei wurde Lehrerin. Sie war nach einer Knie-OP vergangenen Oktober in Augsburg auf Reha, als ihr Sohn anrief. Er berichtete ihr von einem Anruf des FBI. Sterbliche Überreste ihres Bruders seien entdeckt und identifiziert worden. Schon im Sommer 2020 war ein Wanderer am Thunderpass auf menschliche Knochen gestoßen. Ein Waldbrand und ein anschließender heftiger Wintereinbruch verhinderten weitere Suchaktionen. Im Sommer 2021 entdeckten Parkranger dann Skier, Stöcke, Skischuhe und andere persönliche Gegenstände von Rudi Moder. Anhand eines Zahnschemas konnten die sterblichen Überreste identifiziert werden. „Mir ist natürlich klar gewesen, dass mein Bruder damals ums Leben gekommen sein muss, doch die Nachricht wühlte mich enorm auf“, erinnert sich Moder-Frei. „Das ungeklärte Schicksal meines Bruders hatte uns alle sehr belastet.“
Sie organisierte ein Urnengrab für ihren Bruder und hoffte auf eine schnelle Bestattung. Doch die US-Behörden müssen erst noch ihre Pflichten erledigen, bevor sie die sterblichen Überreste freigeben werden. „Für das FBI ist der Fall nicht abgeschlossen, da die Knochenfunde bislang offenbar keine eindeutige Todesursache ergeben.“ Im Sommer wollen die US-Behörden noch einmal nach Skelettteilen suchen. Moder-Frei hofft, dass die Amerikaner fündig werden, ihre Ermittlungen abschließen und die Überführung stattfinden kann: „Ich möchte einfach, dass Rudi nach Friedberg kommt, beerdigt werden kann und seine Ruhe findet.“ JOHANNES WELTE