Ebersberg – Impfpanne im Landkreis Ebersberg: 1800 Bürger haben im Impfzentrum Ebersberg Impfstoff des Herstellers Biontech mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum verabreicht bekommen. Der Impfstoff, der mit Ablaufdatum 6. Januar deklariert gewesen war, sei bereits am 31. Dezember 2021 abgelaufen gewesen. Trotzdem wurde er noch zwischen dem 4. und 6. Januar verimpft.
„Gesundheitliche Schäden oder nachträgliche negative Auswirkungen sind ausgeschlossen“, betont die Betreiberfirma Tresec. Hausarzt-Koordinator Marc Block bestätigt die Einschätzung des Impfzentrums, dass ein medizinischer Schaden für Patienten, die den abgelaufenen Impfstoff bekommen haben, nicht zu erwarten sei: „Medizinisch gesehen, ist das als unproblematisch einzuschätzen.“ Zumal die Haltbarkeit des Comirnaty-Impfstoffs mehrfach nach oben korrigiert worden sei. Denkbar sei, dass sich mit der Zeit die Schutzhülle des Impfstoffs auflöse und so die Wirkung verfalle. „Sehr sinnvoll“ sei daher das Angebot des Impfzentrums an die betroffenen Patienten für einen kostenlosen Antikörpertest.
Die Betreiberfirma hat als Reaktion auf die Panne zwei leitende Mitarbeiter des Impfzentrums fristlos entlassen. Sie hätten sich nicht an eine Dienstanweisung gehalten, die das korrekte Errechnen des Verfallsdatums im Vier-Augen-Prinzip regle. Folglich sei der betreffende Impfstoff falsch etikettiert worden.
Betroffen sind nach Informationen unserer Zeitung auch bis zu 300 Patienten, die bei niedergelassenen Ärzten geimpft wurden: Weitere Impfdosen hatte das Ebersberger Impfzentrum kurz vor dem vermeintlichen Verfallsdatum über die Regierung von Oberbayern den Hausärzten angeboten. Wohl aufgrund der Kürze der Zeit konnten vom Impfzentrum nur 300 Einzeldosen abgegeben werden. Weitere fast 1600 Biontech-Impfdosen mussten vernichtet werden, weil das Angebot erst zwei Tage vor dem vermeintlichen Ablauf des Verfallsdatums unterbreitet worden war – tatsächlich war der Impfstoff da ohnehin schon seit vier Tagen abgelaufen, da es sich laut Impfzentrum um dieselbe Charge handelte, die auch dort irrtümlich zu spät verimpft wurde. Hausärzte im Landkreis Ebersberg beklagen dabei nach wie vor einen Mangel an Biontech-Impfstoff. „Wir bekommen nur einen Bruchteil von dem geliefert, was wir bestellen“, sagte Hausarzt-Koordinator Marc Block, der selber eine Praxis in Zorneding betreibt.
JOSEF AMETSBICHLER