Bedford-Strohm glaubt an Überzeugungskraft der Kirchen

von Redaktion

München – Für ein rechtes Maß in den Debatten um Corona, aber auch bei den Schutzmaßnahmen hat sich der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm ausgesprochen. „Einen Moment innezuhalten“, empfiehlt er den Menschen, die sich bei der gegenwärtigen Diskussion mit Feindseligkeit und Häme begegnen. Im Münchner Presseclub sagte er gestern: „Es ist eine Tatsache, dass in Angespanntheit und Verwundung die Emotionen schnell durchgehen.“ Dann müsse man sich klarmachen, dass der Mensch, der einem gegenübersitzt, „nicht in erster Linie ein Impfgegner ist, sondern zuerst einmal ein Mensch“.

Aber auch bezüglich der Maßnahmen gegen die Pandemie warb er für Augenmaß. Die Corona-Impfung nennt er eine moralische Pflicht, für eine allgemeine Impfpflicht hingegen „hebe ich im Moment meine Hand noch nicht“. Ihn beschäftige die Frage, ob eine Impfpflicht nicht doch kontraproduktiv sei. Noch sei nicht klar, ob eine allgemeine Impfpflicht die Lage in den Krankenhäusern wirklich verbessere. Zudem habe er die Hoffnung nicht aufgegeben, dass man noch eine ganze Reihe von Impfkritikern doch noch überzeugen könne. Trotzdem sei für ihn klar: „Impfen ist der Weg aus der Pandemie.“ Gleichzeitig warnte er Demonstranten gegen die Corona-Maßnahmen vor einem falsch verstandenen Freiheitsbegriff. Denn Freiheit bedeute nicht, die eigene Freiheit gegenüber dem anderen so stark wie möglich zu betonen – Freiheit habe immer auch den Nächsten im Blick.

Zur schwindenden Deutungshoheit der Kirchen erklärt Bedford-Stohm, dass die Kirchen nicht mehr wie in den 50er-Jahren „gesetzt“ seien. Heute müsse man durch Überzeugungskraft die Menschen für den Glauben gewinnen. „Wenn es uns gelingt, die wirklich starken Inhalte der Bibel deutlich zu machen und eine lebensfrohe, hoffnungsvolle Kirche zu zeigen, die sich für die Schwachen einsetzt, müssen wir nicht pessimistisch sein“, sagte er. Er wünsche sich, dass die Menschen aus Freiheit der Kirche angehören. Er rief die Menschen auf, sich vorzustellen, wie arm Deutschland wäre, wenn es die Kirchen nicht gäbe. Bedford-Strohm verwies vor allem auf die Netzwerke von Gemeinden, wo Menschen, die Hilfe bräuchten, Ansprechpartner, Zuwendung und Unterstützung erfahren könnten. Zudem würden die Kirchen verfallen – „wo soll man dann das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach hören?“  cm

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