In München Inzidenz erstmals höher als 1000

von Redaktion

VON SOPHIA OBERHUBER

München – Die amtliche 7-Tage-Inzidenz für München lag am Freitag bei 1122,4. Das würde eigentlich einen erneuten Lockdown bedeuten. Doch der Freistaat Bayern hatte vergangene Woche die sogenannte Hotspot-Regel ausgesetzt, um die Inzidenz-Marke der neuen Omikron-Variante anzupassen. Wie ein Infektiologe, Politiker und Geschäftsleute die Situation einordnen.

„Wir sind sehr froh, dass die Hotspot-Regel ausgesetzt wurde“, sagt Thomas Geppert vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband. Die Regel hätte unter anderem für die Münchner Gastronomie, den Einzelhandel oder Fitnessstudios die erneute Schließung bedeutet. Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern fordert deshalb: „Die Hotspot-Regel muss vom Tisch.“ Ohlmann hofft, dass die Staatsregierung mit Blick auf die Inzidenzen besonnen reagieren wird: „Wir brauchen jetzt eine Politik der ruhigen Hand.“ Man müsse die Situation mit Blick auf die Omikron-Variante anders bewerten – und zwar nicht nach der Inzidenz, sondern der Intensivbettenbelegung. Diese sinkt seit Anfang Dezember wieder. Lagen am 4. Dezember 2021 noch 1081 Erwachsene auf bayerischen Intensivstationen, sind es jetzt 345.

„Wichtig ist für mich die Situation in unseren Krankenhäusern“, sagt Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Dort entspannt sich die Lage mit Blick auf die Belegung der Intensivstationen zwar aktuell. Aufgrund der vielen Neuinfektionen droht sich aber ein neues Problem aufzutun. „Hohe Inzidenzen bedeuten auch, dass mehr Klinikpersonal erkrankt und damit ausfällt. Das betrifft Ärzte, Pfleger bis hin zur Verwaltung und der Logistik“, so Infektiologe Christoph Spinner, Oberarzt im Klinikum rechts der Isar. Dennoch hält Spinner die Lockerung der Corona-Regeln für nachvollziehbar. „Es geht nicht darum, hohe Inzidenzen zu verhindern, sondern darum, die Überlastung des Gesundheitswesens zu verhindern.“ Wäre die Zahl der Geimpften höher, müsste man darüber nicht mehr diskutieren, so der Infektiologe.

Die hohe Zahl der Ungeimpften beunruhigt auch Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne): „Die Zahl der Infizierten explodiert gerade, das macht mir Sorgen, denn anders als in Spanien oder England ist bei uns die Zahl der Geimpften zu niedrig.“ 71,6 Prozent der Münchner Bevölkerung sind mindestens erstgeimpft.

Vor knapp zwei Jahren behandelte die München Klinik den ersten Corona-Patienten Deutschlands. Seitdem folgten vier Wellen – die Omikron-Variante noch ausgeklammert. Insgesamt hat die München Klinik seitdem etwa 3700 Corona-Patienten versorgt. 2021 lag ein Intensivpatient mit Corona dort durchschnittlich 14,8 Tage auf der Intensivstation. Bei Nicht-Covid-Patienten waren es vier Tage.

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